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Das können Sie tun, um Ihr Gebäude zu schützen

Klappen sie hier die Empfehlungen auf und passen Sie bei Bedarf die Kriterien im oben stehenden Auswahlmenü auf Ihr Bauvorhaben an.

Wieviel Schutz braucht das Gebäude?

  • Legen Sie für Ihr Bauprojekt Schutzziele fest. Nur wenn Sie wissen, gegen welche Naturgefahren und wie gut Sie das Gebäude schützen wollen, können Sie geeignete Massnahmen treffen.

  • Je früher in der Planung Sie den Schutz vor Naturgefahren berücksichtigen, desto eher lassen sich ästhetisch ansprechende und kostengünstige Lösungen realisieren.

  • Vorsicht: Jedes Gebäude ist starkem Regen, Hagel oder Sturm ausgesetzt und entsprechend zu schützen!

    Informieren Sie sich anhand der Gefahrenkarten über die Gefährdung am Standort und treffen Sie entsprechende Schutzmassnahmen für Ihr Bauprojekt.

  • Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss Schweiz hat keine Rechtsverbindlichkeit. Sie ist eine fachtechnische Grundlage und hat hinweisenden Charakter.

    Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss gibt Auskunft, wo bei starkem Regen Wasser abfliesst und wo es sich aufstauen kann, z.B. in Mulden oder an Hindernissen. Sie bietet einen Überblick über mögliche Gefahren und allfällige Risiken. Weil es sich bei der Gefährdungskarte um ein reines Modellierungsprodukt handelt, ist die korrekte Interpretation mit einer Plausibilisierung der Abflusswege vor Ort entscheidend. Kleinstrukturen wie Trottoir-Ränder oder Stellriemen, aber auch Unterführungen oder Durchlässe sind im Modell nicht berücksichtigt. Weiterführende Informationen: 

    Webseite des BAFU zur Gefährdungskarte Oberflächenabfluss

    Typische Gefährdungsbilder und Schäden bei Regen und Oberflächenabfluss

    grosse Kartenansicht in neuem Browserfenster öffnen

    Legende
    Legende

  • Für gewisse Naturgefahren geben Normen und gesetzliche Vorgaben das Schutzziele vor. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei Gemeinde, Kanton und Versicherungen.

    Definieren Sie die Schutzhöhe, bis zu welcher das Gebäude vor Wassereintritt geschützt werden soll. Die entsprechenden Formeln zur Ermittlung der Einwirkungen finden Sie hier.

  • Anforderungen an die Erdbebensicherheit am Standort einhalten

    Die Erdbebenzone und die Baugrundklasse (Verstärkungseffekt der lokalen Geologie) definieren die massgebende Wirkung von Erdbeben am Standort. Liegt eine spektrale Mikrozonierungsstudie vor, sollte diese für die Bestimmung der Bemessungseinwirkungen benutzt werden. Ansonsten empfiehlt es sich, das standortspezifische Antwortspektrum gemäss SIA 261/1 zu entwickeln.

    Karte Erdbebenzonen gemäss SIA 261 Anhang F

    Karte Baugrundklassen

    Karte Perimeter Mikrozonierungen

    Bauten dürfen weder Menschen noch Sachen gefährden. Viele Baugesetzgebungen verlangen explizit die Einhaltung der Tragwerksnormen des SIA (inkl. Erdbebenbestimmungen) oder generell die Einhaltung der Regeln der Baukunde. Im Baubewilligungsverfahren gelten in den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Jura, Luzern, Nidwalden und Wallis erdbebenspezifische Auflagen.

  • Die Fachstellen im Standortkanton helfen Ihnen gerne weiter. Auch ortskundige Personen wie Förster oder Angehörige der Feuerwehr können oft Auskunft geben über vergangene Ereignisse und Schäden.

  • Beispiel: Oft endet die berechnete Sturmsicherheit beim Tragwerk des Daches. An die normgerechte Befestigung der Dachziegel wird nicht mehr gedacht.

    Schutzmassnahmen gegen Hagel, Schnee, Sturm, starken Regen oder Erdbeben sind für jedes Gebäude relevant und durch Normen und Richtlinien definiert. Verlangen Sie von Ihren Baupartnern die vollständige Umsetzung dieser Baunormen «bis zur letzten Schraube» und verwenden Sie die Checkliste zur Umsetzungsvereinbarung.

Welche Massnahmen Sie treffen können...

  • Überprüfung der Erdbebensicherheit bei bestehenden Gebäuden

    Zahlreiche bestehende Gebäude in der Schweiz haben eine ungenügende Erdbebensicherheit, gemessen an den heutigen Anforderungen für Neubauten. Die Ursachen liegen in den fehlenden Bauvorschriften zur Bauzeit und teilweise in der Nichtbeachtung der Normenanforderungen an die Erdbebensicherheit. Nicht erdbebengerecht erstellte Gebäude sind potenziell einsturzgefährdet und können bereits bei schwachen Erdbeben erhebliche Schäden erleiden. Beachten Sie die SIA-Norm 269/8, die den Umgang mit Erdbebenrisiken bei bestehenden Gebäuden regelt. Anbauten an bestehende Gebäude sind von diesen möglichst abzukoppeln und müssen die Anforderungen an Neubauten erfüllen (SIA-Norm 261). Oft lassen sich Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit mit weiteren Sanierungsarbeiten verbinden. Eine vorausschauende Planung kann somit auch bei einem Umbau Kosten sparen.

    Klären Sie bereits in den Vorstudien ab, ob eine Überprüfung der Erdbebensicherheit gemäss SIA 269/8 erforderlich oder sinnvoll ist. Folgende Kriterien weisen auf die Notwendigkeit der Überprüfung der Erdbebensicherheit hin:

    • Umbau mit wesentlichen Eingriffen ins Bauwerk
    • Nutzungsänderung
    • Hinweise auf eine sehr geringe Erdbebensicherheit

    In den folgenden Situationen ist eine Überprüfung der Erdbebensicherheit ratsam, um Synergien zu nutzen für die Realisierung von Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit:

    • Baukosten > 1 Mio. Franken oder > 10 % des Gebäudeversicherungswerts
    • Gesamtsanierung
    • Eine Verschlechterung der Erdbebensicherheit ist bei baulichen Eingriffen auf alle Fälle zu vermeiden
  • Hagelschutz: Strategien für bestehende Gebäude

    Schutz durch hagelresistente Materialien
    Verwenden Sie beim Umbau hagelresistente Materialien für Dach, Fassade und Gebäudeöffnungen. Nutzen Sie für die Materialauswahl das Hagelregister als Entscheidungshilfe (Empfehlung: mind. Widerstandsfähigkeit HW3 wählen).

    Schutz durch Gitter oder Netze

    Permanente Schutzeinrichtungen wie Gitter oder Netze schützen die empfindlichen Elemente der Gebäudehülle. Diese Gitter oder Netze sind für mehrere Hagelschläge ausgelegt. Je nach Situation müssen sie saisonal errichtet und wieder demontiert werden, z.B. um keine Probleme mit Schnee zu verursachen.

    Schutz durch Verschleisselement

    Hagelempfindliche Elemente der Gebäudehülle können Sie durch Verschleisselemente desselben Materials als zusätzliche Schutzschicht schützen. Diese Methode wird u.a. bei Membrankonstruktionen angewendet: Eine zusätzliche äussere Membran schirmt die inneren Membranen vor dem direkten Hagelschlag ab. Die Schutzwirkung ist meist nur für einen Hagelschlag konzipiert und muss deshalb nach einem Hagelschlag geprüft und allenfalls erneuert werden.

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  • Beachten Sie bei der Massnahmenwahl besonders auch, ob Personen gefährdet sind.

    Strategien zum Schutz bestehender Gebäude vor Regen und Hochwasser

    Die Kombination der untenstehenden Massnahmenstrategien kann das Eindringen von Wasser in bestehende Gebäude wirkungsvoll verhindern (Gefährdungsbilder Regen und Hochwasser). Generell sind permanente (d.h. bauliche) Massnahmen zu bevorzugen. Temporäre Schutzmassnahmen erfordern eine ausreichende Vorwarnzeit und eine Notfallorganisation.

    Schutz durch Abdichtung und erhöhte Öffnungen

    Gebäudeöffnungen, die bei einer Überschwemmung betroffen sein könnten (Lichtschächte, Lüftungen, Leitungsdurchführungen), werden permanent verschlossen oder so erhöht, dass kein Wasser eindringen kann.

    Schutz durch Dämme oder Mauern

    Kleindämme, Stellriemen oder Mauern verhindern, dass Wasser zum Gebäude fliesst. Rampen verhindern, dass Wasser von der Strasse her zum Gebäude gelangt.

    Schutz durch Abführung über offene Mulde

    Leiten Sie das Wasser über offene Mulden am Gebäude vorbei und wählen bzw. gestalten Sie das Terrain so, dass das Gefälle vom Gebäude weg führt. 

    Schutz durch Retention und Versickerung

    Oberflächenwasser wird über Rinnen gesammelt, gespeichert und über Versickerungsbauwerke dem Untergrund zugeführt. 

    Schutz durch Abführung über Rinnen und Sammelschächte

    Oberflächenwasser wird in Rinnen gesammelt und über Sammelschächte und Leitungen dem Meteorwassernetz zugeführt.

    Schutz durch nasse Vorsorge

    Bei Hochwasser kann der Grundwasserspiegel stark ansteigen, so dass im Extremfall die Bodenplatte bricht. Es kann darum sinnvoll sein, die Flutung einzelner Geschosse bewusst zuzulassen, um noch grössere Schäden abzuwenden. Passen Sie für diese so genannte «nasse Vorsorge» die Gebäudenutzung an (z.B. keine Personen und keine technischen Einrichtungen in den Räumen, die geflutet würden) und verwenden Sie wasserunempfindliche Materialien im Innenausbau.

  • Beachten Sie bei der Massnahmenwahl insbesondere, ob Personen gefährdet sind.

    Strategien gegen Sturm für bestehende Gebäude

    Die Kombination der nachfolgenden Massnahmen am Gebäude ermöglicht den wirkungsvollen Schutz vor Sturm. Massnahmen in der Umgebung (Sicherung und/oder Wegräumen potenzieller Trümmer und Bäume) erhöhen den Schutz zusätzlich.

    Schutz durch Verstärkung

    Verstärken Sie die Gebäudehülle und gegebenenfalls auch das Tragwerk bei einem Umbau.

    Schutz durch Verschalung

    Verschalen Sie exponierte Dachvorsprünge, um einer ungünstigen Überlagerung hoher Druck- und Sogkräfte vorzubeugen.

    Schutz durch Verstärkung bei Innendruck

    Verstärken Sie die Gebäudehülle und gegebenenfalls auch das Tragwerk sowie Öffnungen bei einem Umbau. Berücksichtigen Sie bei der Bemessung auch den Innendruck.

    Schutz durch Verstärkung bei Dachüberständen

    Sehen Sie verstärkte Dachüberstände vor, da diese im ungünstigen Fall von gleich gerichteten Druck- und Sogkräften belastet werden.

    Schutz vor Trümmeranprall

    Verstärken Sie die Gebäudehülle und schirmen Sie die Öffnungen ab, so dass diese geschützt sind vor einem Trümmeranprall.

    Schutz vor Baumsturz

    Verstärken Sie das Tragwerk und die Dachkonstruktion, so dass diese bei einem allfälligen Baumsturz grösseren Widerstand bieten.

  • Achten Sie darauf, dass das Gefälle des Terrains vom Gebäude wegführt.

    Konzeptionelle Massnahmen zur Bewältigung von Oberflächenwasser

    Erster Schritt: Schätzen Sie ab, von wo wie viel Wasser oberflächlich zufliessen kann. Die Pflicht zum Aufnehmen von oberflächlich zufliessendem Wasser ist im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (ZGB, Art. 689) verankert. Hinweis: Schutzmassnahmen dürfen die Gefährdung von benachbarten Grundstücken nicht wesentlich erhöhen.

    Es stehen folgende Massnahmenvarianten zur Wahl – oft auch in Kombination:

    • Retention: Retentionsmulden
    • Versickerung: Versickerungsmulden, Versickerungsschächte in den Untergrund
    • Durchleiten: Abflusskorridore über das Grundstück
    • Sammeln und Abführen: Sammelrinnen und –schächte und Meteorleitungen
    • Abschirmen: Dämme / Sperren um das Gebäude herum

    Zweiter Schritt: Ermitteln Sie die auf dem Grundstück anfallende Wassermenge. Beziehen Sie dabei auch den Überlastfall von Dachentwässerungen ein.

    Dritter Schritt: Erarbeiten Sie ein Massnahmenkonzept, mit dem sich das Gebäude vor dem gesamten Wasser schützen lässt. Planen Sie dabei auch die Fliessrichtung und -geschwindigkeit und den damit verbundenen Wellengang (Geschwindigkeitshöhe) mit ein. Ebenso zu berücksichtigen ist eine Überlastung der Entwässerung und Kanalisation (Überlastfall) – stauendes Wasser darf nicht ins Gebäude eintreten.

    Bemessung der Retentions- und Versickerungsbauwerke: Richtlinie zur Versickerung, Retention und Ableitung von Niederschlagswasser in Siedlungsgebieten (VSA 2002).

  • Terraingestaltung: bestimmt den Verlauf des oberflächlich abfliessenden Wassers. Beziehen Sie den Wasserabfluss konsequent in Ihre Planung ein. So verhindern Sie, dass Wasser an die Gebäudehülle und ins Gebäude selbst gelangt.

  • Hang- und Platzentwässerung

    Berücksichtigen Sie bei der Planung der Entwässerung das oberflächlich zufliessende Wasser von angrenzenden Flächen. Zudem ist bei starkem Regen mit einem Überschiessen des Dachabflusses zu rechnen. Dieses Wasser muss zusätzlich über die Platzentwässerung abgeleitet werden und stellt einen Überlastfall dar.

    Oberflächenwasserzufluss von Steilböschung nach langanhaltenden Niederschlägen. Einbau einer Sickerleitung mit Schachtöffnung angrenzend an eine ansteigende Wieslandfläche (Bild rechts).

    Blätter, Zweige oder Hagelkörner können Platzentwässerungen verstopfen (Rückstau). Sehen Sie deshalb Entwässerungsabläufe mit grossem Durchmesser und erhöhten Siebaufsätzen vor. Da bei starkem Regen die Kanalisation oft überlastet ist, darf auch aufstauendes Wasser keine Schäden zur Folge haben. Besonders bei hohem Schadenpotenzial sind bauliche Massnahmen erforderlich, um eine Verstopfung der Entwässerungsöffnungen resp. den Wassereintritt ins Gebäude zu verhindern.

  • Berücksichtigen Sie im Umfeld von Hochhäusern, dass diese zu komplexen Windströmungen und starken Verwirbelungen führen.

    Gebäudehöhe und umgebende Bebauung / Bepflanzung: beeinflusst direkt die massgebenden Windlasten. Neben der absoluten Höhe ist die relative Höhe gegenüber der Umgebung zu berücksichtigen.

    In der Nähe von Hochhäusern treten Wirbel auf, welche bei der Bemessung zu berücksichtigen sind.
    In der Nähe von Hochhäusern treten Wirbel auf, welche bei der Bemessung zu berücksichtigen sind.

    Ordnet sich das Gebäude in vergleichbarer Höhe wie die Nachbarsbauten ein, so herrscht eine abgeminderte Windbeanspruchung.

  • Empfehlungen zur Vermeidung hoher Windgeschwindigkeiten in Bodennähe

    • Vermeiden Sie Gebäudehöhen, welche die umliegenden Bauten um das Doppelte überragen.
    • Je mehr sich die Gebäudefläche einer Kreisform nähert, desto geringer werden die angreifenden Windkräfte. Denn mit der Kreisform reduziert sich die Abwärtsströmung auf der Frontfläche wesentlich. Bei einem Grundriss in der Form eines langen Rechtecks sollte die Hauptwindrichtung entlang der Längsrichtung des Gebäudes verlaufen.
    • Schirmen Sie bei einem Hochhaus die Bodenzone durch Vorbauten oder Dächer mit genügenden Abmessungen ab.
    • Richten Sie Zwischenräume zwischen Gebäuden und Durchgängen nicht in der vorherrschenden Windrichtung aus.
    • In Durchgängen erzielen Sie mit geschickt angeordneten Windschutzschirmen und mit Bäumen eine Reduktion der Geschwindigkeit.
    • Für sehr hohe Gebäude, offene Bauten, flexible Bauweisen und unübliche aerodynamische Formen sind Spezialuntersuchungen und eventuell Tests im Windkanal empfehlenswert.
    Spezialuntersuchungen für besondere Gebäudeformen
    Spezialuntersuchungen für besondere Gebäudeformen
  • Widerstandsfähige Gebäudehülle - Hagelregister

    Wählen Sie hagelresistente Materialien, um Schäden an der Gebäudehülle durch Hagel zu verhindern. Konsultieren Sie dazu das Hagelregister. Ähnlich dem Brandschutzregister enthält es Produkte und Bauelemente, die auf ihren Hagelwiderstand geprüft und zertifiziert worden sind. Empfehlung: Wählen Sie Materialien und Materialkombinationen mit minimalem Hagelwiderstand HW3. Auch die Reparaturfähigkeit resp. Ersetzbarkeit einzelner Gebäudehüllenelemente sollte gewährleistet sein.

    Die Kantonale Gebäudeversicherung gibt Auskunft über den aktuellen Stand und die Verbindlichkeit des Registers.

    Klassen des Hagelwiderstands

    Die Hagelwiderstandsklassen orientieren sich nach denselben Grenzen der Hagelkorngrösse, wie für die meteorologisch-klimatologische Analyse der Hageldaten. Generell wird HW3 als minimaler Hagelwiderstand empfohlen. Dies bedeutet, dass ein Bauprodukt den Anprall eines Hagelkorns von 3 cm Durchmesser ohne Schaden übersteht.

    Hagelwiderstandsklassen

    Funktionen der Bauteile

    Ein Bauteil kann eine oder mehrere Funktionen erfüllen. Die häufigsten sind: Wasserdichtheit, Aussehen, Lichtabschirmung, Lichtdurchlässigkeit und Mechanik. Je nach Funktion, kann jedes Bauteil in unterschiedliche Hagelwiderstandsklassen eingeteilt werden.

    Weitere Informationen zu den Schadenarten und -ursachen sowie typischen Gefährdungsbildern bei Hagel: Rubrik Naturgefahren

  • Hagelschutz für Zusatzelemente

    Zusatzelemente sind Bauteile bzw. Aufbauten wie Klimaanlagen, Antennen, Energiegewinnungsanlagen (PV und Solarthermie) und die zugehörige Steuerungs- und Messsensorik, die im Aussenbereich von Gebäuden angebracht sind. Schützen Sie auch diese Elemente vor Hagelschlag. Wählen Sie Materialien und Materialkombinationen, die Hagel schadlos standhalten (min. Hagelwiderstand HW3, siehe Hagelregister). Auch die Reparaturfähigkeit resp. Ersetzbarkeit von einzelnen Zusatzelementen sollte gewährleistet sein, damit nicht der gesamte Aufbau ersetzt werden muss.

  • Hagelwiderstand von Membranen

    Membranen erleiden durch Hagelschlag Form- und Strukturschäden (Schadenarten/-Ursachen). Mit steigender Hagelkorngrösse können folgende Schäden beobachtet werden: Dellen, Perforation. Membranen sind insbesondere empfindlich hinsichtlich Hagelkörnern mit kantig/wulstiger Form. Diese hinterlassen Dellen und führen zur Perforation.

    Reparatur

    Kleinere Dellen können sich etwas zurück bilden. In grösseren Dellen kann sich im Verlauf der Zeit Schmutz ablagern. Perforierte Membranen können mit Klebestreifen aus geeignetem Material repariert oder ausgetauscht werden.

    Objektschutz

    Es bestehen folgende Möglichkeiten:

    • Verwendung widerstandsfähiger, hagelgeprüfter Materialien für die äusserste Schicht
    • Zusätzliche Membrane als Verschleissschicht zum Schutz der Gesamtkonstruktion (Überprüfung und ggf. Reparatur/Ersatz nach Hagelschlag!)
    • Installation einer Hagelschutzeinrichtung (z.B. Hagelschutznetz, Anforderungen zum Schutz vor Schneedruck und Wind abklären!).
  • Hagelwiderstand lichtdurchlässiger Kunststoffprodukte

    Als lichtdurchlässige Kunststoffprodukte werden folgende Materialien angeboten: Acrylglas (PMMA), Polycarbonat (PC), Polyvinylchlorid (PVC), Pet G und Glasfaserverstärktes Polyester (GF-UP). Lichtdurchlässige Kunststoffprodukte erleiden durch Hagelschlag Strukturschäden (Schadenarten/-Ursachen). Mit steigender Hagelkorngrösse können folgende Schäden beobachtet werden: Mikroverstreckung (nur bei PMMA schlagzäh), Delamination (Schichttrennung), Sternriss, Perforation.

    Bandbreiten des Hagelwiderstands für Kunststoffprodukte

    Empfohlen wird ein freiwilliger Nachweis des Hagelwiderstandes von Lichtbändern gemäss SN EN 1013-1. Grundsätzlich steigt der Hagelwiderstand mit zunehmender Materialstärke.

    Reparatur 

    Eine Reparatur mit aufgeklebten Flickstücken desselben Materials ist möglich. Aus ästhetischen und wirtschaftlichen Gründen wird eine solche Reparatur nur bei vereinzelten Strukturschäden an einer Fassade angewandt.

    Objektschutz 

    Der Hagelwiderstand der Produkte steigt mit zunehmender Materialstärke. Der Hagelwiderstand und das Langzeitverhalten sind von den Herstellern nachzuweisen. Objektschutz ist auch durch vergütete Materialien (PC mit Anti-UV- Beschichtung) oder mit Schutzeinrichtungen (PMMA mit Gitter oder Netz) möglich. Vertikal gerichtete Verkleidungen sind unempfindlicher gegenüber Kantenschäden als horizontal gerichtete Verkleidungen.

  • Hagelwiderstand von Glas

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    Häufig verwendete Verglasungsarten: Einfachgläser, Draht- und Einscheibensicherheitsglas (ESG). mehrschichtiges Glas, Isolierglas und Verbundsicherheitsglas (VSG).

    Bandbreiten des Hagelwiderstands für Glas

    Reparatur

    Der vollflächige Ersatz von Scheiben ist notwendig.

    Objektschutz

    Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte in Europa zeigen, dass bei der Verwendung der äusseren Scheibe in Einscheibensicherheitsglas (ESG) eine hohe Sicherheit gegen Glasbruch infolge Hagelschlag gegeben ist, wenn die Glasdicke mind. 4 mm beträgt. Für die Bemessung der Glasdicke der Scheibe gelten folgende Ansätze:

    • Belastung nach SIA 261 und 261/1 für Wind und Schnee entsprechend der Schräglage
    • Ansatz für zulässige Biegespannung (schrägliegende Scheiben) 18 N/mm2 für normales Glas, für teilvorgespanntes Glas 25 N/mm2und für ESG 50 N/mm2
    • zum Schutz gegen Hagelschlag die äussere Scheibe mit der wie oben ermittelten Glasdicke (für Floatglas) in Einscheibensicherheitsglas, die innere Scheibe aus Verbundsicherheitsglas (VSG)

    Grundsätzlich ist bei der Planung auf ein einen möglichst einfachen Ersatz zu achten. Überdimensionierte Scheiben, die nachträglich nicht mehr durch die Gebäude, bzw. sich auch von aussen nur mit hohem Aufwand einbauen lassen, sind zu vermeiden.

    Vordächer aus Glas sind bei Rahmenlagerung aus VSG und bei punktueller Lagerung aus Teilvorgespanntem Glas (TVG) zu wählen.

  • Hagelwiderstand für Aussenanlagen / Solarkollektoren

    Thermische Solarkollektoren
    Bandbreiten des Hagelwiderstands für PV-Module
  • Ein Vordach bei einem Gebäude schützt die Fassaden sowie die Fenster gegen Witterungseinflüsse und damit gegen Alterung und Schäden. Vollständiger Schutz gegen Hagel und Starkregen ist zwar selbst mit Vordach nicht möglich. Es reduziert aber die Häufigkeit der Durchnässung – ein wichtiger Aspekt, für die dauerhafte Schutzfunktion der Fassade.

    Dachüberstannd und Vordach: Permanenter Schutz vor Hagelschlag
    Dachüberstannd und Vordach: Permanenter Schutz vor Hagelschlag
  • Permanente Schutzeinrichtung: Schutzgitter und Schutznetze

    Hagelschutzgitter schützen empfindliche Materialien wirksam und dauerhaft.

    Schutznetze über Treibhäusern bieten während der Hagelsaison einen temporären Hagelschutz.

  • Moderne Fensterscheiben sind deutlich widerstandsfähiger als Storen.

    Kostenloses Tool «Hagelschutz - einfach automatisch»: Storen werden durch ein Alarmsignal automatisch hochgezogen. Weitere Informationen: Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG).

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  • Aussteifungen symmetrisch anordnen und weiche Geschosse vermeiden

    Bilden Sie Neubauten vom Fundament bis zum Dach durchgängig steif aus, möglichst mit mindestens zwei Stahlbetontragwänden pro Hauptrichtung. Diese können auch schlank sein, müssen aber den Kraftfluss vom Fundament bis zum Dach gewährleisten. Verzichten Sie daher auf jegliche Aussparungen und Öffnungen oder lassen Sie diese vom Ingenieur dimensionieren.

    Vermeiden Sie weiche Geschosse auf Stützen, die nicht auf die entsprechenden Erdbebenkräfte ausgelegt sind. Ungünstig sind auch asymmetrische Versetzungen oder exzentrische Aussteifungen sowie Mischsysteme mit Stützen und tragenden Mauerwerkswänden.

  • Weiche Geschosse bei bestehenden Gebäuden verstärken

    Vermeiden Sie weiche Geschosse auf Stützen, die nicht auf die entsprechenden Erdbebenkräfte ausgelegt sind. Dies gilt speziell für Umbauten mit Nutzungsänderungen (z.B. neue Ladenflächen in Erdgeschossen etc.). Ungünstig sind auch asymmetrische Versetzungen oder exzentrische Aussteifungen sowie Mischsysteme mit Stützen und tragenden Mauerwerkswänden. Verstärken Sie „weiche Geschosse“ bei bestehenden Gebäuden.

  • Wann ein Verweichen des Tragwerks das Erdbebenverhalten verbessern kann

    Eine Verstärkung des Tragwerks bewirkt zugleich eine Versteifung, was die Eigenfrequenzen erhöht. Der Einbau horizontal weicher Lager über der Fundation («schwimmende Lagerung», «base isolation») bewirkt eine Frequenzverschiebung in den niedrigspektralen Bereich des Bemessungsantwortspektrums der Beschleunigung. Dies erhöht einerseits die Dämpfungswirkung und reduziert die Erdbebenkräfte, andererseits nehmen die relativen Verschiebungen zu. Letzteres erfordert ausreichend Bewegungsspielraum des betreffenden Gebäudes zu benachbarten Objekten und Werkleitungen. Diese Technologie ist relativ teuer und wird in Spezialfällen angewandt, wenn die Funktionstüchtigkeit des Gebäudes nach einem Erdbeben gewährleistet sein muss.

  • Fugen zwischen Bauteilen und Abkoppelung verschiedener Gebäude

    Trennen Sie nichttragende Mauerwerkswände in Skelettbauten durch Fugen ab, damit sich das verformungsempfindliche Mauerwerk und das Tragwerk nicht negativ beeinflussen («Ausfachungen» von Mauerwerk verhindern). Wählen Sie für die Fugen ein möglichst nachgiebiges Material wie z.B. Gummischrot in ausreichender Breite. Vergessen Sie dabei nicht sämtliche Bauteile gegen Umkippen oder Herunterfallen zu sichern (siehe SBIE).

    Auch Fugen zwischen benachbarten Gebäuden sind fachgerecht auszubilden. Dämpfer und Federn können die Übertragung von Schwingungen reduzieren.

  • Sekundäre Bauteile, Installationen und Einrichtungen sichern (SBIE)

    Sichern Sie SBIE fachgemäss gegen Erschütterungen in alle Richtungen, insbesondere gegen Horizontalbewegungen. Beispiele: Unterdecken und Beleuchtungskörper, Trennwände, Fassadenbekleidungen, Brüstungen, Kamine, Verglasungen, Aufzüge, Kanäle und Leitungen, technische Geräte der Haustechnik, Möbel, Einrichtungsgegenstände.

    Weitere Informationen: Braune et. al. (2016)

  • Je mehr sich die Gebäudeform einer Kugel nähert, desto geringer werden die angreifenden Windkräfte. Ungünstige Gebäudeformen erfordern eine spezielle Bemessung durch eine Fachperson.

    Für sehr hohe Gebäude, offene Bauten, flexible Bauweisen und unübliche aerodynamische Formen sind Spezialuntersuchungen und eventuell Tests im Windkanal empfehlenswert.

    Spezialuntersuchungen für besondere Gebäudeformen
    Spezialuntersuchungen für besondere Gebäudeformen
  • Die Dachform beeinflusst die Winddruck- und Windsogkräfte sowie die möglichen Schneelasten massgeblich. Ermitteln Sie anhand der SIA-Normen 261 und 261/1 die lokalen und globalen Kräfte für entsprechende Dachform. Für Dächer normal windexponierter Gebäude sind die Dachformbeiwerte gemäss der SIA-Normen 261 und 261/1 massgebend. Bauwerke an Lagen mit aussergewöhnlichen Windverhältnissen erfordern ortsspezifische Abklärungen. Berücksichtigen Sie zudem, dass die Häufigkeit der Frost-Tauperioden stark von der Neigung und Ausrichtung der Dachflächen abhängen.

  • Vordächer / Unterstände

    Überlagern sich Druck- und Sogkräfte, erleiden Unterstände und Vordächer oft einen Totalschaden. In der SIA-Norm 261 finden Sie die Druckbeiwerte für unterschiedliche Grössenverhältnisse von Vordachhöhe zu Vordachauskragung.

  • Kamine, Schornsteine und Antennen

    Kamine und Antennen sind wegen ihrer schlanken Form in der Regel schwingungsanfällig und müssen deshalb sicher konstruiert und verankert werden, zum Beispiel durch Abspannung. Diese Aufbauten verursachen überdies erhöhten Sog im näheren Umfeld. Anforderungen an Abspannungen:

    • Hohe Standsicherheit dank regelmässiger Überprüfung der Abspannung samt ihrer Verankerung
    • Sicherstellung eines wirksamen und dauerhaften Korrosionsschutzes
  • Solaranlagen

    Aufgebaute, aufgeständerte oder freistehende grossflächige Anlagen sind durch Windbelastungen stärker gefährdet. Ursache für Schäden sind oft der zu schwach dimensionierte oder ungenügend beschwerte Unterbau oder die Montageteile. Berechnen Sie die Druck- und Sogkräfte gemäss SIA-Norm 261 und berücksichtigen Sie diese bei der Planung.

  • Schutz von Öffnungen

    Lichtkuppeln können neben den äusseren Sogkräften zusätzlich durch Innendruck belastet sein. Bemessen Sie die Befestigungen entsprechend dieser Kraftüberlagerung sowohl im geschlossenen als auch im geöffneten Zustand.

  • Sonnenstoren / Markisen

    Sonnenstoren sind gemäss SIA-Norm 342 „Sonnen- und Wetterschutzanlagen“ (Ausgabe 2009) für bestimmte maximale Windgeschwindigkeiten ausgelegt und werden in die Windwiderstandklassen (WWK) 0 bis 3 eingeteilt. Die widerstandsfähigsten Produkte mit WWK3 halten (wenn eingefahren!) Böenspitzen von maximal 48 km/h aus. Sonnenstoren müssen eingefahren sein, bevor der Wind die gemäss Windwiderstandsklasse zulässige Höchstgeschwindigkeit erreicht!

  • Fenster und Glasflächen

    Bemessen Sie Fenster und Türen mit Rücksicht auf die Druck- oder Sogkräfte. Ist hoher Winddruck zu erwarten, sollten Türen von aussen angeschlagen werden. Bei Fenstern muss die Windlast über die Scheibe auf den Rahmen und von diesem auf die angrenzende Konstruktion abgetragen werden können. Teilvorgespanntes Glas ermöglicht schlanke Konstruktionen selbst bei hohem Winddruck. Ist mit dem Anprall von Trümmern zu rechnen, ist Verbundsicherheitsglas für den Schutz von Personen zu verwenden. Einen effektiveren Schutz vor Trümmeranprall bieten schliessbare Klappläden und besonders stabile Rollläden.

  • Sogsicherung bei Holzkonstruktionen (Blockbauweise)

    Mit Stahlseilen können die Sogkräfte, die am Dachvorsprung angreifen, auf das Fundament abgeleitet werden:

  • Gewächshäuser

    Bemessen Sie Gewächshäuser grundsätzlich gemäss SIA-Norm 261.

    Sturmschaden an Gewächshaus
    Sturmschaden an Gewächshaus
  • Nebengebäude (Garagen und Ähnliches)

    Bemessen Sie Nebengebäude wie Garagen und Tore wie ein Gebäude auf die Windbeanspruchung. Leichtbauweisen sind insbesondere gegen das Abheben bei geöffnetem Tor zu sichern.

  • Lage des Erdgeschosses und von Öffnungen

    Planen Sie Gebäudeöffnungen nach Möglichkeit über der maximalen Überschwemmungshöhe (bei dynamischer Überschwemmung Geschwindigkeitshöhe berücksichtigen!). Sehen Sie geeigneten Schutz insbesondere auch vor bei: Lichtschächten, Fenstern, äusseren Treppenabgängen, Aussentüren, Lüftungsschächten und Leitungsdurchführungen.

    Türsituation: Die Rückstauebene (blauer Pfeil) darf das Niveau der Türöffnung nicht erreichen. Das Gefälle soll vom Gebäude wegführen.

    Fenstersituation: Die Rückstauebene (blauer Pfeil) darf das Niveau der Fensteröffnung nicht erreichen.

    Lichtschachtsituation: Die Rückstauebene (blauer Pfeil) darf das Niveau der Lichtschachtöffnung nicht erreichen. Der Lichtschacht kann bei ausreichender Untergrundentwässerung an seiner Sohle offen ausgebildet sein. Im Fall von drückendem Grundwasser ist der Lichtschacht als geschlossenes Becken dicht und auftriebssicher ans Gebäude anzuschliessen.

  • Abdichtungs- und Verstärkungsmassnahmen zum Schutz von Öffnungen

    Permanente Vorkehrungen: Wasserdichte, verstärkte Türen und Fenster schützen permanent vor Wassereintritt (Vanomsen, 2011). Türen sind von aussen anzuschlagen. Bei Fenstern muss der Wasserdruck über die Scheibe auf den Rahmen und von diesem auf die angrenzende Konstruktion abgetragen werden können.

    Tabelle: Bemessung von Fenstern bei statischer Überschwemmung (Fliessgeschwindigkeit < 1 m/s)

    Bei Fliessgeschwindigkeiten ≥ 1 m/s sind angeströmte Fenster höheren Drücken und ggf. dem Anprall von Treibgut und Geschiebe ausgesetzt. Mittels Sprossen, Prallplatten oder Dammbalken können Sie solche Fenster schützen (Empfehlungen zum Schutz vor Murgang).

    Achtung! Türen, Tore und Fenster die dem Wasserdruck nicht standhalten, versagen oft schlagartig. Die Personengefährdung ist in solchen Fällen sehr hoch. Bei Garageneinfahrten eignen sich insbesondere Lösungen mit Klappschotts.

    Temporäre Vorkehrungen: Öffnungen lassen sich temporär mit Schutzschildern aus Metall- oder Holz schützen. Solche Massnahmen sind nur bei einer ausreichend langen Vorwarnzeit und klar geregelter Notfallorganisation sinnvoll, oder wenn sie permanent eingebaut sind. Bei Neubauten kann eine architektonisch befriedigende Lösung gefunden werden, indem Schutzschilde direkt unter den Öffnungen in die Fassade integriert sind, die im Ereignisfall hochgefahren werden können.

  • Trotz vermeintlich dichter Bauweise führt der Ausbau des Untergeschosses zu Wohnzwecken sehr oft zu undichten Stellen und damit zu Wasserschäden im Überschwemmungsfall!

    Abdichtung der Gebäudehülle

    Folgende Verfahren dienen der Abdichtung der Gebäudehülle (Eintrittswege von Wasser in Gebäude siehe Gefährdungsbilder Regen und Hochwasser):

    • Wasserdichte Betonkonstruktionen („weisse Wanne“)
    • Konstruktionen mit äusserer oder innerer Wassersperrschicht, Bitumenabdichtung („schwarze Wanne“)
    Tabelle: Eigenschaften der weissen und schwarzen Wanne
    Tabelle: Dichtigkeitsklassen der Gebäudehülle gemäss SIA 272
    Tauchpumpe

    Weitere Hinweise liefern die Normen SIA 270 «Abdichtungen und Entwässerungen - Allgemeine Grundlagen und Abgrenzungen», SIA 272 «Abdichtungen und Entwässerungen von Bauten unter Terrain und im Untertagbau» und SIA 274 «Abdichtung von Fugen in Bauten - Projektierung und Ausführung».

    Mit einer Tauchpumpe im Untergeschoss lässt sich allfällig durchsickerndes Wasser auspumen und damit das Restrisiko verringern.

  • Eingänge auf der strömungsabgewandten Gebäudeseite

    Ist aufgrund der Gefahrenquelle und der Topographie eine klare Fliessrichtung gegeben, z.B. auf einem Wildbachkegel, so sind die Eingänge auf der strömungsabgewandten Seite des Gebäudes anzuordnen. Für direkt angeströmte Aussenwände empfiehlt sich der Einsatz speziell geschützter Fenster. Strömungsparallele und strömungsabgewandte Aussenwände sind keinen dynamischen Drücken ausgesetzt. Die Abdichtungen bei Eingängen werden dadurch bedeutend geringer belastet.

  • Ausgestaltung und Lage von Lichtschächten

    Ordnen Sie den Lichtschacht erhöht an – allenfalls integriert in die Umgebungsgestaltung (z.B. als Sitzbank). Beachten Sie dabei die Auftriebsproblematik bei Lichtschächten, die wasserdicht ans Gebäude anschliessen.

    Oberkante des Lichtschachtes liegt unter der Rückstauebene

    • Variante A: Lichtschacht mit abgedichtetem und verschraubbarem Deckel (Normalzustand: verschraubt).
    • Variante B: Abschottung der tiefer liegenden Lichtschachtöffnung durch seitliche Mauern, welche bis zur Rückstauebene hochgezogen sind.
    • Variante C: permanentes Verschliessen des Lichtschachtes, z.B. mit Glasbausteinen.
  • Die angepasste Nutzung der Innenräume reduziert das Personen- und Sachrisiko von überschwemmungsgefährdeten Gebäuden erheblich. Das Personenrisiko lässt sich deutlich reduzieren, wenn in Untergeschossen keine Arbeits- oder Wohnräume eingerichtet sind. Zudem sollten Fluchtwege aus Untergeschossen nicht den Haupteintrittswegen des Wassers entlang führen. Vermeiden Sie generell wasserempfindliche Gegenstände oder technische Installationen in überschwemmungsgefährdeten Untergeschossen.

  • Materialwahl des Innenausbaus (Böden, Wände und Decken)

    Schäden an Fussböden treten auf, wenn das verwendete Material in grösseren Mengen Wasser adsorbiert, nicht resistent ist bei leicht saurem oder basischem Milieu oder undurchlässig ist und dadurch keine Verdunstung von Wasser aus dem Rohboden erlaubt. Weitere Schäden sind zu erwarten, wenn das Kontaktmedium zwischen Rohboden und Fussboden wasserlöslich ist.

    Tabelle Nässeempfindlichkeit von Fussböden
    Tabelle Nässeempfindlichkeit von Wänden und Decken
  • Dachentwässerung

    Die Bemessung der Dachentwässerung richtet sich normgemäss nach einem 5-10-jährlichen Regen. Berücksichtigen Sie deshalb die Konsequenzen des Überlastfalls, auch bei der Umgebungsgestaltung (Topographie, Lichtschächte etc.).

    Entwässerung Steildach
    Entwässerung Steildach

    Entwässerung Flachdach

    Planen Sie die Entwässerung von Flachdächern gemäss SIA-Norm 271 "Abdichtungen von Hochbauten" (Ausgabe 2007) und nach der Richtlinie Dachentwässerung (suissetec 2016). Die An- und Abschlüsse sind nach der SIA-Norm 271 auszuführen.

    Angeschwemmte Blätter, Zweige oder Hagelkörner können die Dachentwässerungen verstopfen und ein Einstauen von flach geneigten Dächern verursachen. Planen Sie Entwässerungsabläufe mit grossem Durchmesser und erhöhten Siebaufsätzen. Auch bei kleinen Dachflächen sind mindestens zwei Regenwasserabläufe einzubauen. Da bei starkem Regen die Kanalisation oft überlastet ist, darf auch allfällig aufstauendes Wasser keine Schäden zur Folge haben. Verhindern Sie mit konstruktiven Massnahmen ein Verstopfen der Entwässerung, besonders wenn mit grossen Schäden zu rechnen ist.

  • Mobile Abdichtung von Gebäudeöffnungen bieten nur dann guten Schutz, wenn diese fest installiert sind, zum Beispiel als Klappschott oder permanent eingebauter Dammbalken bei selten benutzten Eingängen.

  • Stellriemen und Mauern

    Bei beschränkten Platzverhältnissen kann Wasser mit Stellriemen und Mauern abgeleitet werden. Die Wirkungsweise ist dieselbe wie bei Erddämmen.

  • Zugang zu Untergeschossen

    Berücksichtigen Sie die Rückstauebene, wenn Sie die oberste Treppenstufe von Aussentreppen planen, die zu Untergeschossen führen. Beachten Sie zudem: Im Grundsatz sind zum Schutz vor starkem Regen immer permanente Lösungen vorzuziehen. Nur bei ausreichender Vorwarnzeit und einer funktionierenden Notfallorganisation können mobile Massnahmen solche Zugänge schützen.

    Zugang zu Untergeschossen
    Zugang zu Untergeschossen
  • Zufahrt zu tieferliegenden Garagen und Plätzen

    Bei Zufahrten zu tieferliegenden Garagen und Plätzen ist die Kenntnis der Rückstauebene wichtig. Mit Rampen können Sie verhindern, dass Wasser in die tieferliegenden Bereiche fliesst. Anfallendes Niederschlagswasser und überschiessendes Wasser von Dächern muss allenfalls mit Hebeanlagen abgeführt werden.

    Bevorzugen Sie stets permanente Schutzmassnahmen wie Dämme oder Rampen. Bei temporären Massnahmen wie einem wasserdichten Tor ist unter Umständen nicht gewährleistet, dass das Tor im Ereignisfall geschlossen ist. Zudem sind bei temporären Schutzmassnahmen regelmässige Kontrollen erforderlich, um ihre langjährige Funktionstüchtigkeit sicherzustellen.

  • Dämme und Rampen

    Mit Erddämmen lassen sich bestehende Gebäude vor Wasser schützen. Dieser Schutz stellt sehr oft eine landschaftsplanerisch gute Lösung dar. Das Wasser wird nach Möglichkeit entlang der Grundstücksgrenze abgeleitet. Beachten Sie, dass Dritte dadurch nicht zusätzlich gefährdet werden. Regenwasser, das zwischen Gebäude und Abschirmung anfällt, ist gemäss SN 592‘000 abzuführen.

    Permanente Schutzmassnahmen: Bei Dämmen und Mauern sind die üblichen Nachweise bezüglich Standfestigkeit, Kippen, Gleiten, Setzungen, äusserer und innerer Erosion, hydraulischem Grundbruch und Dichtigkeit zu erbringen. Leckwasser und unterströmtes Sickerwasser muss in Pumpensümpfen aufgefangen werden. Dies ist insbesondere in Gebieten mit langer Überschwemmungsdauer wichtig (vgl. Müller, 2013). Zudem ist ein Rückstau über die Kanalisationen zu verhindern.

    Temporäre Schutzmassnahmen: Wenn genügend Vorwarnzeit, eine zuverlässige Alarmierung und eine Notfallorganisation gegeben sind, können temporäre Vorkehrung vorgesehen werden. Dazu zählen hochziehbare oder hochklappbare Konstruktionen. Bei langer Vorwarnzeit können Sie zudem mobile Dammbalkensysteme, Sandsackdämme und Kombinationen davon als Notfallmassnahme einsetzen.

  • Schutz von Versorgungseinrichtungen

    Trinkwasserversorgung

    Die Hauptleitung der Trinkwasserzufuhr zu Gebäuden ist in der Regel mit einem Filter versehen. Eine Überschwemmung kann diese beschädigen oder vollständig verstopfen und die Trinkwasserzufuhr unterbinden. Ordnen Sie darum die Filter über der maximalen Überschwemmungshöhe und einfach zugänglich an.

    Stromversorgung

    Folgende Massnahmen erhöhen die Funktionstüchtigkeit der Elektrizitätsversorgung bei nicht wasserdichten Gebäuden:

    • Anordnung von Hauptschalter, Mess-, Verteil- und Regeleinrichtungen über der maximalen Überschwemmungshöhe.
    • Getrennte Leitungsführung zur Versorgung von Gebäudeteilen unterhalb bzw. oberhalb der maximalen Überschwemmungshöhe.
    • Automatische Netzabtrennung von Verteilleitungen in überschwemmungsgefährdeten Geschossen.

    Bei grossen Gebäuden, aus denen im Katastrophenfall Personen oder Sachgüter evakuiert werden müssen (z.B. Untergeschosse bei Spitälern, Gewerbe- und Industriebetrieben, Tiefgaragen u.a.), ist eine netzunabhängige Notstrombeleuchtung wichtig.

    Die oben genannten Massnahmen gelten in ähnlicher Weise auch für die Gasversorgung (siehe Regelwerke des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches SVGW und die Richtlinie VDI 6004 (2004)).

    Verankerung von Öltanks

    Planen Sie Öltankanlagen oberhalb der maximalen Überschwemmungshöhe (auch das Entlüftungsrohr!). Damit verhindern Sie grosse Schäden an Gebäude und Umwelt durch freigesetztes Öl und stellen den Betrieb während und nach einer Überschwemmung sicher. Falls eine erhöhte Anordnung nicht möglich ist, muss das Öl zwingend wasserdicht und auftriebssicher gelagert werden. Zudem müssen der Tank und die Zu- und Abflussleitungen dem äusseren Wasserdruck (Beulen) standhalten. Die Zuleitung zum Ölbrenner ist mit einem Ventil zu versehen, das bei Wasseransammlung auf dem Boden des Heizungsraumes automatisch schliesst.

    Massnahmen bei Energieholzlagerung

    Pellets und Holzschnitzel quellen im Kontakt mit Wasser auf. Der dabei entstehende Druck kann zu Schäden am Lagerraum führen. Das Lagergut selbst wird durch die Vernässung unbrauchbar und verschmutzt den Lagerraum. Planen Sie deshalb Energieholzlager nach Möglichkeit oberhalb der maximalen Überschwemmungshöhe. Wenn dies nicht möglich ist, sind Energieholzlager wasserdicht auszugestalten und gegen Auftrieb zu sichern. Alternativ können mögliche Schäden am Lagerraum mit nasser Vorsorge minimiert werden (z.B. Öffnungen/Sollbruchstellen vorsehen, durch die das Lagergut austreten kann oder reduzierte Füllung des Lagers).

    Rückstauschutz der Kanalisation

    Bei Kanalisationsleitungen ist der Schutz vor einem Rückstau resp. Rückfluss die wichtigste Massnahme. Die Anordnung von Rückflusssperren kann auch bei Gebäuden ausserhalb von überschwemmungsgefährdeten Gebieten sinnvoll sein. Sie verhindern damit eine «innere Überschwemmung» des Gebäudes.

    Fluchtwege

    Stellen Sie sicher, dass Gebäudebereiche unterhalb der maximalen Überschwemmungshöhe über Treppen oder Leitern verlassen werden können. Bei Gebäuden mit nur einem Stockwerk sollte der Aufstieg auf das Dach möglich sein.

    Massnahmen an Aufzugsanlagen

    Bei Personen- und Warenliften ist darauf zu achten, dass sich die Ruheposition dieser Anlagen oberhalb der maximalen Überschwemmungshöhe befindet. Wasseransammlungen im Liftschacht sollen mittels Sensor eine Alarmmeldung auslösen und den Betrieb einstellen.

  • Leitungsdurchführungen

    Zahlreiche Leitungen führen durch die Gebäudehülle, z.B. Leitungen der Wasser- oder Gasversorgung, Entwässerung, Elektro-, Fernseh-, Telefonkabel sowie Fernwärme-, Lüftungs- und Heizungsrohre. Lassen Sie diese Durchdringungen wasserundurchlässig umsetzen. Bei Mantelrohren und Bohrungen wird der Zwischenraum mit Dichtungsmaterial verschlossen und abgedichtet. Bei Flanschrohren wird die Rohrleitung dichtend angeflanscht.

    Dichtungseinsatz für Kunststoffmantelrohr
    Dichtungseinsatz für Kunststoffmantelrohr
  • Hochführen von Lüftungsöffnungen

    Beachten Sie, dass Lüftungsöffnungen mögliche Eintrittswege von Wasser ins Gebäude sind. Lüftungen sind u.a. notwendig für Öltanks, Zivilschutzräume und Anlagen der Gebäudeklimatisierung. Beachten Sie besonders die in den Fensterleibungen eingelassenen Luftfassungen privater Luftschutzkeller.

  • Rückstauschutz / Hebeanlagen

    Planen Sie bei Kanalisationsleitungen den Schutz vor einem Rückstau resp. Rückfluss. Gefährdet sind alle Abläufe und Sanitäreinrichtungen unterhalb der Rückstauebene. Rückstauklappen und -schieber sowie Hebeanlagen können eine Überschwemmung im Gebäudeinnern verhindern.

    Der Vorteil der automatischen Rückstauklappe: Sie muss nicht manuell bedient werden. Dies ist wichtig, da der Eintritt eines Rückstaus nicht direkt wahrnehmbar ist. Rückflusssperren sind allenfalls auch für Gebäude ausserhalb des potentiellen Überschwemmungsgebiets wichtig: Wenn beispielsweise Hindernisse das Wasser zurückhalten, kann es zur (inneren) Überschwemmung von Gebäuden in an sich nicht-betroffenen Gebieten kommen.

    Muss Schmutzwasser auch während einer Überschwemmung ununterbrochen abgeführt werden (z.B. bei Spitälern, Pflegeheimen etc.), ist ein parallel geschaltetes, isoliertes Auffangbecken mit Hebeanlage vorzusehen.

    Rückstauschutz
    Rückstauschutz
  • Kolkschutz von Fundamenten bei dynamischer Überschwemmung mit Feststofferosion

    Die Reduktion des Kolks wird hauptsächlich durch die Erhöhung des Widerstands gegen die Belastung durch die entstehenden Wirbel erreicht (Gefährdungsbilder Hochwasser). Es handelt sich hierbei einerseits um den Hufeisenwirbel. Diesem wird mit einer horizontalen Verbauung entgegengewirkt. Als kostengünstige und flexible Lösung hat sich hier der Einbau von geotextilen Drainmatten bewährt. Andererseits muss dem Tornadowirbel entgegengetreten werden. Dies erfolgt mittels vertikaler Verbauungen im Eckbereich des Gebäudes. Ein Blockwurf kann den hierfür notwendigen Kolkschutz gewährleisten. Details zur Bemessung finden sich in Kohli (1998).

Woran Sie auch in Zukunft denken sollten...

  • Reduktion des Hagelwiderstands bei Kunststoffprodukten (Alterung)

    Kunststoffprodukte verlieren ihren Hagelwiderstand mit der Zeit, wenn sie dem Wetter ausgesetzt sind. Massgebend für die Alterung ist der UV-Schutz: Je nach Kunststoff bzw. Kunststoffanteilen und Anti-UV-Schutz verläuft die Alterung unterschiedlich. Hinweise können die Garantieerklärungen der Hersteller liefern. Zu beachten: Die Klassifikation des Hagelwiderstands im Hagelregister gilt für den Neuzustand des jeweiligen Produkts.

    Abnahme des Hagelwiderstands (Alterung)