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Das können Sie tun, um Ihr Gebäude zu schützen

Klappen sie hier die Empfehlungen auf und passen Sie bei Bedarf die Kriterien im oben stehenden Auswahlmenü auf Ihr Bauvorhaben an.

Wieviel Schutz braucht das Gebäude?

  • Legen Sie für Ihr Bauprojekt Schutzziele fest. Nur wenn Sie wissen, gegen welche Naturgefahren und wie gut Sie das Gebäude schützen wollen, können Sie geeignete Massnahmen treffen.

  • Je früher in der Planung Sie den Schutz vor Naturgefahren berücksichtigen, desto eher lassen sich ästhetisch ansprechende und kostengünstige Lösungen realisieren.

  • Wahl des Gebäudestandorts ausserhalb von Gefahrenzonen

    Weichen Sie der Gefahr durch gravitative Naturgefahren wie Einsturz, Lawinen, Steinschlag, Murgang, Rutschung oder Hochwasser wenn immer möglich aus und bevorzugen Sie einen Gebäudestandort ausserhalb von Gefahrenzonen. Vorsicht: auch bei einer geringen Gefährdung kann – je nach Nutzung und potentiell gefährdeten Sachwerten – das Risiko erheblich sein!

  • Vorsicht: Jedes Gebäude ist starkem Regen, Hagel oder Sturm ausgesetzt und entsprechend zu schützen!

    Informieren Sie sich anhand der Gefahrenkarten über die Gefährdung am Standort und treffen Sie entsprechende Schutzmassnahmen für Ihr Bauprojekt.

  • Die Fachstellen im Standortkanton helfen Ihnen gerne weiter. Auch ortskundige Personen wie Förster oder Angehörige der Feuerwehr können oft Auskunft geben über vergangene Ereignisse und Schäden.

  • Beispiel: Oft endet die berechnete Sturmsicherheit beim Tragwerk des Daches. An die normgerechte Befestigung der Dachziegel wird nicht mehr gedacht.

    Schutzmassnahmen gegen Hagel, Schnee, Sturm, starken Regen oder Erdbeben sind für jedes Gebäude relevant und durch Normen und Richtlinien definiert. Verlangen Sie von Ihren Baupartnern die vollständige Umsetzung dieser Baunormen «bis zur letzten Schraube» und verwenden Sie die Checkliste zur Umsetzungsvereinbarung.

Welche Massnahmen Sie treffen können...

  • Die Kombination von Massnahmen der Konzeption, Verstärkung und Abschirmung ermöglicht eine markante Risikoverminderung. Besonders zu beachten ist die Gefährdung resp. der Schutz von Personen. Zudem darf die Gefährdung durch die geplanten Schutzmassnahmen nicht auf andere Grundstücke verlagert werden.

    Strategien zum Schutz vor Murgängen bei Neubauten

    Schutz durch konzeptionelle Massnahmen und Verstärkung
    Neubauten sollten von Beginn weg an die Gefährdung durch Murgänge angepasst werden. Dies erreichen Sie durch eine optimale Einpassung ins Terrain, eine günstige Form, eine angepasste Nutzung der gefährdeten Innen- und Aussenräume sowie durch die geeignete Platzierung und Gestaltung von Öffnungen. Wo mit hohen Drücken zu rechnen ist, sind zudem die Aussenwände zu verstärken.

    Schutz durch Dämme oder Netze
    Dem Gebäude vorgelagerte Dämme und Schutznetze können den Murgang ablenken oder auffangen. Ein Restrisiko betrifft in der Regel die Gebäudeöffnungen, welches sich durch entsprechende Positionierung und Ausgestaltung dieser Öffnungen minimieren lässt.

    Schutz durch erhöhte Anordnung
    Die erhöhte Anordnung ist oft eine kostengünstige und sehr effiziente Schutzmassnahme. Das Gebäude wird auf einer Anschüttung erstellt, Zugang und Zufahrt werden als Rampen ausgeführt. Im Idealfall schützt dies das Gebäude bereits ausreichend vor dem Murgang, so dass sich weitergehende Massnahmen erübrigen.

    Schutz durch einen Spaltkeil
    Ein dem Gebäude vorgelagerter Spaltkeil ermöglicht einen optimalen Schutz vor hohen Drücken. Gleichzeitig müssen die Öffnungen und die Innenraumnutzungen der Gefährdung entsprechend geplant werden. Bleibt der Aussenraum gefährdet, sind gewisse Aussenraumnutzungen (z.B. Sitzplätze) im Schutz des Gebäudes vorzusehen.

  • Nutzungskonzept des Aussenraumes

    Planen Sie Aussenraumnutzungen mit hoher Aufenthaltsdauer wie Sitzplätze und Balkone ausschliesslich in den durch das Gebäude oder durch zusätzliche Massnahmen geschützten Bereichen. Ordnen Sie den Zugang zum Gebäude geschützt an, beispielsweise via Tiefgarage mit talseitiger Zufahrt.

  • Nutzungskonzept der Innenräume

    Die angepasste Raumnutzung reduziert das Personenrisiko in Gebäuden erheblich. Sehen Sie im Bereich der direkt betroffenen Aussenwände ausschliesslich Räume mit kurzer Aufenthaltsdauer vor, beispielsweise Verbindungsgänge oder Nasszellen.

  • Einpassung in das Terrain

    Durch eine optimale Einpassung in das umliegende Gelände können Sie das Gebäude vor direkter Einwirkung durch Steinschlag, Lawinen und Murgang gut schützen, resp. die betroffenen und entsprechend zu verstärkenden Aussenwandflächen reduzieren.

    Sehen Sie bei Gefahr durch Lawinen und fallenden oder hoch springenden Steinen und Blöcken eine vertiefte Anordnung des Gebäudekörpers im umliegenden Gelände vor (vgl. Ebenhöch). Eine vertiefte Lage des Gebäudes eignet sich auch zum Schutz vor grossvolumigen Murgängen, gegebenenfalls kombiniert mit einer Anschüttung. So lässt sich die zu schützende Aussenwandfläche verringern. Im Bereich der Anschüttung wirkt lediglich ein reduzierter Druck, dagegen ist der zusätzliche Erddruck zu berücksichtigen.

    Eine erhöhte Anordnung ist bei Gefahr durch Wasser und kleinere Murgänge von Vorteil sowie bei rollenden oder gleitenden Steinen und Blöcken.

  • Reduzieren Sie die Fläche der exponierten Aussenwände, um die „Trefferwahrscheinlichkeit“ zu minimieren. Ordnen Sie zudem das Tragwerk des Gebäudes in Bezug auf die Gefahr durch Steinschlag, Murgang und Lawinen geschützt an. Ziehen Sie tragende Scheiben und Platten einer Skelettbauweise vor.

  • Positionierung und Ausgestaltung von Öffnungen

    Gebäudeöffnungen wie Fenster und Türen sind die grössten Schwachstellen bei Gefahr durch Steinschlag, Murgang oder Lawinen. Vermeiden Sie daher Fenster in der gefährdeten Aussenwand oder halten Sie sie zumindest klein. Solche Öffnungen bedürfen immer einer Verstärkung oder Verschalung. Vermeiden Sie Eingänge auf der gefährdeten Aussenwand oder schützen Sie sie durch geeignete bauliche Massnahmen. Gefährdete Türen können Sie mit Schutzmauern oder lokalen Dämmen vor der Einwirkung zu schützen.

    Fenster können Sie zudem durch vorgesetzte Sprossen aus Stahl schützen. Wählen Sie dabei einen ausreichend grossen Abstand zwischen Sprossen und Fenster, damit genügend Deformationsweg zur Verfügung steht.

  • Bei Neubauten hat die Wahl eines möglichst sicheren Standorts erste Priorität. Auch die Positionierung und Terraingestaltung auf dem Grundstück kann die Sicherheit erhöhen.

    Konzeptionelle Massnahmen zum Schutz vor Rutschungen

    Terraingestaltung / Bauzustände
    Achten Sie bei der Terraingestaltung darauf, dass durch Anschüttungen und Einschnitte die Stabilitätsverhältnisse des Geländes nicht kritisch werden. Dies gilt sowohl für permanente wie auch für temporäre Erdverschiebungen während des Baus. Ziehen Sie deshalb insbesondere ungünstige Bauzustände (z.B. Baugrubenaushub) von Anfang an in die Abklärungen ein. Risiken, die sich nicht durch Bemessung vermeiden lassen, sind durch angemessene Kontrollen zu begrenzen.

    Statisches Konzept und Fundation
    Das statische Konzept eines Gebäudes ist grundsätzlich dann vorteilhaft, wenn geringe Setzungen unter dem Gebäudekörper keine Schadenfolgen wie Risse nach sich ziehen. Wählen Sie aus diesem Grund eine monolithische Bauweise und trennen Sie Anbauten stets statisch einwandfrei vom Hauptgebäude. Zudem soll die Fundationsart unempfindlich auf mögliche Setzungen oder Verschiebungen reagieren. In der Regel bewährt sich eine Flachfundation mittels verstärkter Bodenplatte. Je nach Art der Rutschung stellen sich weitere Anforderungen an die Fundation (Lastabtragung, Ausrichtung und Verstärkungsmassnahmen).

    Nutzungskonzept Innenräume
    Passen Sie bei tiefgründigen Rutschungen das Nutzungskonzept der Innenräume an. Seien Sie sich bewusst, dass durch das Mitschwimmen des Gebäudes auf der Rutschmasse Verkippungen möglich sind. Je nach Art des statischen Konzeptes ist eine Neuausrichtung des gesamten Gebäudes oder Teilen davon möglich. Rechnen Sie speziell bei Untergeschossen damit, dass diese nicht neu ausgerichtet werden können und somit in einer Schieflage zu verbleiben drohen. Berücksichtigen Sie diesen Umstand von Beginn weg bei der Innenraumnutzung.

    Aussenanschluss von Leitungen
    Erdverlegte Leitungen werden im Bereich ungleichmässiger Rutschbewegungen schnell beschädigt. Besonders kritische Bereiche befinden sich am Rand der Rutschung sowie um die Leitungsdurchführungen vom Untergrund ins Gebäude. Beachten Sie die Richtlinien für Rohrleitungsanlagen (SVGW 2010, SVGW 2013).

    Abführung von Meteorwasser
    Sorgen Sie dafür, dass jegliches Meteor- und Oberflächenwasser abgeführt oder in Quellen gefasst wird und somit nicht in der Rutschmasse versickern kann. Wasser ist der bedeutendste treibende Faktor von Rutschbewegungen. Versuchen Sie daher, den Hangwasserspiegel so tief wie möglich zu halten und die Wassersättigung des Bodenmaterials zu minimieren.

  • Lastabtragung, Ausrichtung und Verstärkungsmassnahmen

    Lastabtragung unter die Gleitfläche / in den anstehenden Fels
    Sorgen Sie mittels Scheiben oder Pfählen für eine optimale Abtragung der Lasten des Gebäudes in den stabilen Untergrund. Diese Massnahme können Sie sowohl bei nicht sehr intensiver Rutsch- wie auch bei oberflächlicher Einsturzgefährdung ergreifen. Damit verhindern Sie zwar nicht die grossräumige Bodenbewegung an sich, sichern das Gebäude jedoch ähnlich einer Brücke auf Pfeilern, die im tragfähigen Lockergestein oder stabilen Fels fundiert sind. Bei der Wahl von Pfählen sind in der Regel umhüllende Schächte erforderlich. Beachten Sie die maximal mögliche Horizontalbeanspruchung der Scheiben und Pfähle durch die Bodenbewegung und sehen Sie gegebenenfalls zusätzliche Elemente zur Aufnahme der Horizontalkräfte vor.

    Ausrichtung des Gebäudes durch Anhebung
    Die folgenden Massnahmen der Gebäudeanhebung werden bei mittel- bis tiefgründigen Rutschungen ergriffen, wenn sich der Rutschkörper aufgrund seiner Grösse nicht beeinflussen lässt. Als Mass für differentielle Setzungen wird die Winkelverdrehung tan(α) verwendet.

    • Zwischen dem Untergeschoss und den Obergeschossen wird eine statische Trennung Zudem werden in Aussparungen hydraulische Pressen angeordnet. Bei einer Verkippung des Gebäudes kann der Obergeschossteil neu ausgerichtet werden, das Untergeschoss verbleibt in Schieflage. Diese Korrektur lässt sich bei fortlaufender Verkippung wiederholen.
    • Einzelfundamente als Auflager: Soll das gesamte Gebäude nach einer Verkippung neu ausgerichtet werden, so sind die entsprechenden Aussparungen für hydraulische Pressen im Fundamentbereich vorzusehen. Diese Variante beschränkt sich daher meistens auf Neubauten. Der Zugang zu diesen Auflagern erfolgt über statisch getrennt angeordnete Schächte an den Gebäudeecken. Bei Bedarf sind zusätzliche Auflager im Bereich der Aussenwände und unter dem Gebäude erforderlich.
    • Anhebung mittels Injektion: Das Fundament bestehender Gebäude kann mittels Kunstharz- oder Mörtelinjektionen angehoben werden. Das Injektionsgut wird über Bohrlöcher durch das Fundament in den Untergrund eingebracht. Die Anhebung wird bei der Kunstharzinjektion durch eine 15- bis 20-fache Volumenvergrösserung des Kunstharzes erreicht und bei der Mörtelinjektion über den Druck gesteuert.

    Verstärkung von Bodenplatte und Aussenwänden
    Die Verstärkung von Bodenplatte und Aussenwänden ist bei vielen Massnahmen eine Mindestanforderung. Bei Neubauten erreichen Sie dies mit entsprechend erhöhtem Bewehrungsgehalt der Stahlbetontragwerke. Die Verstärkung bei bestehenden Gebäuden erfolgt mittels Klebebewehrung oder zusätzlicher Bewehrung in Gunitschicht oder Vorsatzbeton.

  • Stabilisierung der Rutschmasse

    Mit den folgenden drei Konzepten können Sie die Stabilität einer Rutschung positiv beeinflussen:

    • Verankerung der Rutschmasse im stabilen Untergrund mit Ankern, Nägeln, Dübeln oder Pfählen oder anderen Stützkonstruktionen
    • Entwässerung und Drainage zur Verminderung der Wassermenge in der Rutschmasse
    • Veränderungen der Topographie (Gegengewichtsschüttung, Abflachung)

    Stabilisierung mittels eingebrachten Stütz- und Verankerungselementen

    a) Anker, Nägel: Mittels vorgespannter Anker bzw. ungespannter Ankern mit Vollverbund (Nägel) lassen sich instabile Lockergesteinsschichten oder Felspakete sichern und Gebäudeteile, die sich in der Rutschmasse befinden, im stabilen Untergrund verankern. Beim Einsatz vorgespannter Anker werden die zu erwartenden Deformationen aktiv begrenzt. Für die Krafteinleitung sind starre und ausreichend steife Widerlager vorzusehen.

    Ungespannte Anker verhalten sich passiv. Erst nach entsprechenden Deformationen beginnen die Verankerungselemente zu tragen, wodurch die Verschiebungen im Vergleich zu Konstruktionen mit vorgespannten Ankern grösser sind. Der Vollverbund mit Nägeln wirkt jedoch auf die gesamte Rutschmasse stabilisierend. Deshalb steht für die Stabilisierung oberflächennaher Instabilitäten über eine Geflecht- oder Netzabdeckung generell eine Vernagelung mit Vollverbund im Vordergrund.

    Beachten Sie bei der Ausarbeitung, Bemessung und Anwendung von Sicherungsmassnahmen das unterschiedliche Tragverhalten von vorgespannten Ankern und Nägeln. Der äussere Tragwiderstand von vorgespannten Ankern und Nägeln hängt im Lockergestein wesentlich vom Kornaufbau, der Lagerungsdichte und den Hangwasserverhältnissen ab. Im Fels wird dieser massgebend durch die Felsart, die Festigkeit und Rauigkeit, den Durchtrennungsgrad, die Klüftung und Schichtung beeinflusst. Weitere Details sind den SIA-Normen 267 (Geotechnik) und 267/1 (Ergänzende Festlegungen) zu entnehmen.

    b) Dübel: Bei der Bodenverdübelung werden in der vorhandenen Gleitfläche durch Dübel Schubkräfte aktiviert, die ein Abgleiten des Erdkörpers verhindern. Als Dübel werden in der Regel Stahlrohre verwendet, die als Mikropfahl gemäss der SIA-Norm 267 zu behandeln sind. Sie werden über die ihre ganze Länge vermörtelt.

    Die reine Schubbeanspruchung tritt auf, wenn die Gleitfläche zwischen zwei festen Schichten verläuft. In weichen Böden tritt eine Biegezugbeanspruchung auf. Bei Rutschungssanierungen werden die einzelnen Dübel oft durch Nachfolgebewegungen im Gleitflächenbereich verbogen. Ihre Hauptwirkung beruht auf Zugkraftübertragung.

    Je nach Aufgabenstellung werden die Dübel z.B. als Bankett- oder Betonriegel in Kombination mit Nägeln oder in Form von Dübelböcken eingebracht. Bei Dübelböcken werden jeweils 2-3 Dübel über ein Einzelfundament zusammengefasst.

    Die Vorteile einer Bodenverdübelung sind die einfache Ausführung ohne aufwendige Installationen. Die Verdübelung ist ferner ein biegeweiches System, das sich möglichen grossräumigen Kriechbewegungen anpassen kann, ohne dass gleich ein Systemversagen eintritt. Mittels Dübeln und Bankettriegeln lassen sich zudem erdverlegte Leitungen und Zufahrten oft effizient schützen.

    Die Anwendung wird vor allem durch die Tiefe und Ausdehnung der Rutschung limitiert. Liegt die Gleitfläche tiefer als 6-8 m oder bei aufzunehmenden Schubkräften über ca. 300 kN / m (Gesamtkraft) wird die Verdübelung gegenüber Lösungen mit vorgespannten Ankern und Pfählen im Allgemeinen unwirtschaftlich.

    c) Pfähle: Zur Stabilisierung von Rutschmassen werden Pfähle meist in Kombination mit vorgespannten Ankern oder ungespannten Anker mit Vollverbund (Nägel) eingesetzt. Mit Pfählen kann die Last des Gebäudes in den festen, sich nicht bewegenden Untergrund abgetragen werden.

    Wesentliche Unterscheidungsmerkmale von Pfählen

    Ferner werden Pfähle nach dem verwendeten Material unterschieden nach Holz-, Stahl- und Betonpfählen. Detaillierte Angaben zur Bemessung von Pfählen sind den SIA-Normen 267 und 267/1 zu entnehmen. Je nach Anwendungsfall, projektspezifischen Randbedingungen und Anforderungen sind auch Jettingpfähle und Rüttelstopfsäulen eine wirksame und wirtschaftliche Möglichkeit zur Baugrundverbesserung und für den Lastabtrag.

    d) Stützkonstruktionen: Je nach projektspezifischen Gegebenheiten und Gefährdungen können hangseitige Einschnitte beispielsweise auch mit Winkelstützkonstruktionen oder Steinblockmauern gegen flachgründige Instabilitäten gesichert werden. Neben dem Nachweis der Geländebruchsicherheit sind dabei auch die Nachweise gegen Kippen, Gleiten und Grundbruch zu führen.

    Bei mittel- und tiefgründigen Rutschungen stehen mit Nägeln oder Ankern zurückgehaltene Betonkonstruktionen im Vordergrund.

    Stabilisierung durch Verminderung des Porenwasserdruckes

    Das Hangwasser - und damit in direktem Zusammenhang stehend der Porenwasserdruck - ist bei Rutschungen häufig der massgebende treibende Faktor. Mit den nachfolgend beschriebenen Massnahmen kann der Hangwasserspiegel dauerhaft abgesenkt werden. Die Funktionstüchtigkeit solcher Entwässerungssysteme ist periodisch zu überprüfen.

    a) Drainagegräben: Liegen die zu entwässernden Schichten nur 1-3 m unter der Bodenoberfläche, dienen Drainagegräben oft als Stabilisierungsmassnahme. Beim Aushub der Gräben können die effektiven Verhältnisse beurteilt werden, wodurch das Entwässerungssystem während dem Bau optimal an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst werden kann. Dies unter der Voraussetzung, dass die wasserführenden Schichten beim Anschneiden zumindest kurzfristig standfest sind.

    b) Entwässerungsbohrungen: Ist das Gelände geneigt und liegen die zu entwässernden Schichten zu tief für die Entwässerung mittels Drainagegräben, bieten sich horizontal oder leicht gegen oben bzw. unten geneigte Bohrungen an. Die Anzahl und Ausrichtung der Entwässerungsbohrungen hängt wesentlich von den hydrogeologischen Verhältnissen und den projektspezifischen Randbedingungen ab. Die Bohrungen werden in der Regel in einer Reihe oder sternförmig von einem Sammelschacht aus ausgeführt. Diese werden nach verschiedenen Techniken mit einem Drainrohr und äusserer Filterschicht versehen.

    c) Brunnen (Vertikalschächte) mit Horizontaldrainagen: Befinden sich die zu entwässernden Bodenschichten in grösserer Tiefe, eignen sich Brunnen mit Horizontaldrainagen. Ist keine Ableitung mit freiem Gefälle möglich, muss das anfallende Wasser gegebenenfalls permanent abgepumpt werden.

    Stabilisierung mittels einer Veränderung der Topographie

    a) Gegengewichtsschüttung: Das Aufbringen einer Gegengewichtsschüttung kommt sehr oft als Notfallmassnahme bei Rutschungen zum Einsatz. Diese Massnahme kann auch als vorbeugende Massnahmen angewandt werden. Effektiv wirksam ist die Gegengewichtsschüttung nur, wenn die Schüttmasse direkt auf den Körper der potentiellen Rutschung einwirken kann. Es ist daher zu prüfen, ob Gleitflächen möglich sind, welche durch die Schüttung nicht beeinflusst werden.

    b) Abflachung: Die Abflachung übersteiler Hangpartien kann oberflächliche Spontanrutschungen vermeiden. Diese Massnahme ist ein wesentlicher Eingriff in die Topographie und muss daher frühzeitig in die Planung einbezogen werden.

  • Gebäudeform - Schutz vor Murgängen und Lawinen

    Die Form des Gebäudes bestimmt die effektiv auf die betroffenen Aussenwände wirkenden Kräfte. Sehen Sie keilförmige oder in Bezug auf die Hauptzuflussrichtung des Murgangs abgewinkelte Grundrissformen vor. Vermeiden Sie einspringende Ecken und Auswölbungen wie Erker oder Kamine. Achten Sie zudem darauf, dass sich an der direkt betroffenen Aussenfassade keine Leitungen befinden (Dachwasserleitung, Öltankentlüftung u.a.). Diese würden beim Murganganprall beschädigt oder abgerissen.

  • Verstärkungsmassnahmen zum Schutz vor Übermurung

    Verstärkung von Aussenwänden
    Gefährdete Aussenwände sind nach dem Druck und der Reibung des Murganges zu bemessen respektive entsprechend zu verstärken. Aufgrund der Reibung ist in der Regel auf Fassadenverkleidungen wie Schindeln aus Holz oder Kunststoff zu verzichten.

    Schutz von Öffnungen
    Gefährdete Fenster und Türen sind gemäss dem Druck zu bemessen und von aussen anzuschlagen. Bei Fenstern muss die Last über die Scheibe auf den Rahmen und von diesem auf die angrenzende Konstruktion abgetragen werden. Bei seitlich angeordneten Fenstern und geringen Drücken bieten ausreichend bemessene Verbundsicherheitsgläser Schutz. Trifft der Murgang frontal auf die Fenster, sind diese zusätzlich mit Sprossen, Prallplatten oder Dammbalken zu schützen.

    Tabelle: Übersicht empfohlener Glasprodukte mit ihren Mindestdicken sowie der entsprechenden Bemessung

    Bei der Verwendung von Isolierglas sollte die äussere Scheibe entsprechend dem Einfachglas nach obiger Tabelle gewählt werden mit einer Gegenscheibe von mindestens 8 mm Dicke (Quelle: Schweiz. Institut für Glas am Bau, Zürich).

  • Abschirmungsmassnahmen können die Ausbreitung der Gefährdung massgebend beeinflussen. Solche Massnahmen dürfen nur ergriffen werden, wenn sich dadurch die Gefährdung benachbarter Gebäude und Grundstücke nicht erhöht.

    Abschirmungsmassnahmen gegen Murgänge

    Auffangdamm
    Ein Auffangdamm kann kleine Murgänge vollständig aufhalten. Die dazu erforderliche Dammhöhe muss grösser sein als die Summe aus Fliesshöhe hf und Stauhöhe hstau des Murgangs. Ebenfalls nachzuweisen ist der ausreichende Ablagerungsraum für das Volumen des Murganges resp. der möglichen Murschübe während eines Ereignisses. Die statische Bemessung des Dammes richtet sich nach dem wirkenden Druck und dem Nachweis bezüglich Gleiten.

    Erhöhte Anordnung
    Die Anschüttung des Terrains ist bei Neubauten oft die kostengünstigste und wirksamste Massnahme zur Risikoverminderung. So können Sie das gefährdete Objekt ganz vor Übermurung und Überschwemmung schützen (Stauhöhe beachten!). An Stellen mit hohen Fliessgeschwindigkeiten muss die Anschüttung gegen Erosion geschützt werden.

    Ablenkmauer/Ablenkdamm
    Mit Hilfe einer Ablenkmauer oder eines Ablenkdammes kann der Murgang in eine gewünschte Richtung umgelenkt werden. Ablenkbauwerke mit Ablenkwinkeln von 20° bis 30° können noch mit einem vertretbaren Aufwand erstellt werden. Sind die Umlenkwinkel grösser, werden die erforderlichen Bauwerkshöhen gross. Zudem ist dann das Abfliessen des Murganges nicht mehr gewährleistet. Als Massnahme für den Gebäudeschutz kommen sie vor allem am Rand von Siedlungen oder Gerinnen zum Einsatz oder im Bereich von Ausbruchstellen aus dem Gerinne. Die Höhe des Ablenkdammes bemisst sich analog zum Auffangdamm, wobei die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zur Bauwerksachse massgebend ist. Bei der Bemessung der Höhe des Dammes oder der Mauer sind mögliche Ablagerungen vor dem Bauwerk zu berücksichtigen.

    Spaltkeile leiten den Murgang am zu schützenden Gebäude vorbei. Der Keil wird direkt am oder unmittelbar vor dem Gebäude angeordnet. Der maximale Öffnungswinkel darf 60° nicht überschreiten (Gefährdungsbild 2). Zudem muss der Spaltkeil ausreichend hoch sein, damit er nicht überflossen werden kann. Dabei sind die Fliesshöhe des Murganges zu berücksichtigen sowie die Anzahl möglicher Murschübe pro Ereignis. Wird der Keil mit Flügelmauern seitlich am Objekt verlängert, sind gegebenenfalls weitere Schutzmassnahmen an den Seitenwänden nicht erforderlich. Ansonsten sind die üblichen Einwirkungen aus Druck und Reibung auch für die Seitenwände zu berücksichtigen.

    Murgangnetze können im Wildbachverbau oder als direkte Schutzmassnahme vor dem Gebäude eingesetzt werden. Die Bemessung dieser Murgangnetze erfolgt gemäss Volkwein (2014). Wie beim Auffangdamm ist ein ausreichend grosser Ablagerungsraum vorzusehen. Beim Einsatz von Netzen zum Schutz gegen Hangmuren ist die Wasserableitung gesondert zu betrachten und allenfalls mit anderen Massnahmen zum Hochwasserschutz des Gebäudes zu kombinieren.

    Ein Wartungs- und Unterhaltsplan ist für Netzlösungen unabdingbar, damit diese als permanente Schutzmassnahme eingesetzt werden können.