Schutzziele im Kanton Aargau

Schutzziele im Kanton Aargau

Im Kanton Aargau müssen Neu-, An- und Umbauten «genügend sicher vor Naturgefahren» erstellt werden
(§ 52 Baugesetz).

Die Schutzziele haben im Kanton Aargau auch eine versicherungsrechtliche Bedeutung
(Verordnung zum Gebäudeversicherungsgesetz).

 

Naturgefahr

Gebäudeschutzziel im Kanton Aargau

Hochwasser

Hochwasser

Schutzziel: Das Gebäude bleibt bis zum 100-jährlichen Hochwasser intakt und im Untergeschoss trocken

Grundlage:

  • Schutzzielmatrix Kanton Aargau (Richtplanbeschluss)

Starker Regen, Oberflächenabfluss

Starkniederschlag

Schutzziel: Das Gebäude bleibt bis zum 100-jährlichen Regen auch in Untergeschossen trocken (analog zum Schutzziel HQ100 bei Hochwasser)

Grundlage:

  • Merkblatt «Umsetzung des Überschwemmungsschutzes im Baubewilligungsverfahren»

Sturm

Sturm

Schutzziel: Das Gebäude hält den zu erwartenden Windspitzen bis zum 50-jährlichen Wind schadlos stand, es gibt keine abgerissenen Bauteile

Grundlage:

Hagel

Hagel

Schutzziel: Bis zum 50-jährlichen Hagel entstehen keine Schäden an Fassade, Dach und daran befestigen Bauteilen wie Solaranlagen.

Im Kanton Aargau müssen Bauteile, die dauerhaft der Witterung ausgesetzt sind, demnach einen Hagelwiderstand 3 (HW 3 – Hagelkorn mit einem Durchmesser von 3 cm) besitzen.

Für bewegliche Elemente, wie z.B. Lamellenstoren, sind geeignete Massnahmen zu treffen, die diese vor der Schädigung in einen Schutzzustand bringen. Lamellenstoren werden z.B. mit dem System «Hagelschutz – einfach automatisch» vor einem drohenden Hagel automatisch eingezogen.

Grundlage:

Schnee

Schnee

Schutzziel: Dach, Aussenwände sowie Vordächer, Oberlichter und Solaranlagen halten bis zum 50-jährlichen Ereignis der Schneelast stand. Das Abrutschen von Schnee darf weder Personen noch tieferliegende Gebäudeteile schädigen.

Grundlage:

Erdbeben

Erdbeben

Schutzziel: Das Gebäude schützt die sich darin befindenden Personen bis zum 475-jährlichen Erdbeben (Merkblatt Erdbebengerechte Neubauten, Merkblatt Überprüfung bestehender Gebäude)

Grundlage:

Erdrutsch, Steinschlag

Steinschlag, Rutschungen, Murgang, Lawinen

Schutzziel: Das Gebäude bleibt auch bei seltenen Ereignissen intakt und schützt die sich darin befindenden Personen.

Im Kanton Aargau sind bei bekannter Gefahrenexposition geeignete Massnahmen zu treffen, die das Gebäude weitgehend vor drohenden Elementarschäden schützen.

 

 

Erläuterung zum Begriff "Jährlichkeit" / "Wiederkehrperiode"

Die Jährlichkeit beschreibt die Häufigkeit von Ereignissen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein sogenannt 100-jährliches Ereignis an einem bestimmten Ort tatsächlich eintritt, beträgt 1 zu 100 oder 1 % pro Jahr.

Gebäude haben eine typische Lebensdauer von 50 Jahren oder mehr. Auf 50 Jahre betrachtet, liegt die Eintretenswahrscheinlichkeit eines 100-jährlichen Ereignisses bei 40 %. Dies entspricht ungefähr der Chance, dass Sie bei einem Münzwurf richtig liegen mit «Kopf» oder «Zahl»! Im selben Betrachtungszeitraum von 50 Jahren steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein 300-jährliches Ereignis mindestens einmal eintritt, auf 15 %. Dies entspricht der Wahrscheinlichkeit, mit einem einzigen Wurf eine 6 zu würfeln. Seltene Naturgefahren dürfen nicht unterschätzt werden!