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Das können Sie tun, um Ihr Gebäude zu schützen

Klappen sie hier die Empfehlungen auf und passen Sie bei Bedarf die Kriterien im oben stehenden Auswahlmenü auf Ihr Bauvorhaben an.

Wieviel Schutz braucht das Gebäude?

  • Legen Sie für Ihr Bauprojekt Schutzziele fest. Nur wenn Sie wissen, gegen welche Naturgefahren und wie gut Sie das Gebäude schützen wollen, können Sie geeignete Massnahmen treffen.

  • Je früher in der Planung Sie den Schutz vor Naturgefahren berücksichtigen, desto eher lassen sich ästhetisch ansprechende und kostengünstige Lösungen realisieren.

  • Anforderungen an die Erdbebensicherheit am Standort einhalten

    Die Erdbebenzone (regionale Gefährdung) und die Baugrundklasse (Verstärkungseffekt der lokalen Geologie) definieren die massgebende Wirkung von Erdbeben am Standort. Liegt eine spektrale Mikrozonierungsstudie vor, sollte diese für die Bestimmung der Bemessungseinwirkungen benutzt werden. Ansonsten empfiehlt es sich, das standortspezifische Antwortspektrum gemäss SIA 261/1 zu entwickeln. Ziehen Sie hierzu einen auf Erbebensicherheit spezialisierten Ingenieur bei.

    Karte Erdbebenzonen gemäss SIA 261 Anhang F

    Karte Baugrundklassen

    Karte Perimeter Mikrozonierungen

    Bauten dürfen weder Menschen noch Sachen gefährden. Viele Baugesetzgebungen verlangen explizit die Einhaltung der Tragwerksnormen des SIA (inkl. Erdbebenbestimmungen) oder generell die Einhaltung der Regeln der Baukunde. Im Baubewilligungsverfahren gelten in den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Jura, Luzern, Nidwalden, Vaud und Wallis erdbebenspezifische Auflagen.

  • Beispiel: Oft endet die berechnete Sturmsicherheit beim Tragwerk des Daches. An die normgerechte Befestigung der Dachziegel wird nicht mehr gedacht.

    Starker Regen, Hagel oder Sturm können überall in der Schweiz auftreten und Gebäude gefährden. Schutzmassnahmen sind für jedes Gebäude relevant und durch Normen definiert. Verlangen Sie von Ihren Baupartnern die vollständige Umsetzung dieser Baunormen «bis zur letzten Schraube» und verwenden Sie die Checkliste zur Umsetzungsvereinbarung.

Welche Massnahmen Sie treffen können...

  • Erdbebengerechte Bauweise – ein Gemeinschaftswerk von Architekt und Ingenieur

    Entwickeln Sie bereits den frühen Entwurf gemeinsam mit einem auf Erdbebensicherheit spezialisierten Ingenieur. So finden Sie effizient zu eleganten Lösungsvarianten und reduzieren Aufwand und Kosten im späteren Verlauf der Projektierung und Realisierung. Ein betreffend Erdbeben ungünstig konzipierter Entwurf lässt sich auch mit massivem Zusatzaufwand nicht mehr „retten“.

  • Strategien für erdbebengerechte Neubauten

    Folgende Grundsätze unterstützen den konzeptionellen Entwurf:

    • Möglichst kompakte Grundrisse mit mehreren (mindestens 2) schlanken Stahlbetontragwänden (oder ähnlichen Aussteifungselementen) pro Hauptrichtung ohne Aussparungen und Öffnungen.
    • Insbesondere sekundäre Bauteile und in besonderen Fällen auch Installationen und Einrichtungen sind so zu konzipieren, dass sie das Tragwerk nicht gefährden und auch selbst nicht durch das Tragwerk gefährdet werden (Fugen, Flexibilität von Fassaden etc.).. Bei der Kombination von Materialien unterschiedlicher Verformbarkeit (z.B. Stahlbeton und Mauerwerk) ist darauf zu achten, dass sich diese nicht gegenseitig beschädigen können.
    • Die fachgerechte Befestigung sekundärer Bauteile sowie weiterer Installationen und Einrichtungen (SBIE) ist frühzeitig zu planen und konsequent umzusetzen.

    Merkblatt „Erdbebengerechte Neubauten in der Schweiz“

  • Symmetrie im Grundriss und Stetigkeit im Aufriss

    Bilden Sie Neubauten vom Fundament bis zum Dach durchgängig steif aus, möglichst mit mindestens zwei Stahlbetontragwänden pro Hauptrichtung. Diese können auch schlank sein, müssen aber den Kraftfluss vom Dach bis zum Fundament und in den Baugrund gewährleisten. Verzichten Sie daher auf jegliche Aussparungen und Öffnungen in Erdbebenwänden oder berücksichtigen Sie diese bei der Bemessung.

    Vermeiden Sie weiche Geschosse mit Stützen, die nicht auf die entsprechenden Erdbebenkräfte ausgelegt sind. Ungünstig sind auch asymmetrische Versetzungen oder exzentrische Aussteifungen.

  • «Kurze Stützen» und Brüstungen zwischen Stützen vermeiden

    Vermeiden Sie «kurze Stützen» sowie Brüstungen zwischen Stützen. «Kurze Stützen» reagieren besonders anfällig auf Verformungen, weil dabei grosse Schubkräfte entstehen auf die sie in der Regel nicht ausgelegt sind.

  • Fugen zwischen Bauteilen und Abkoppelung verschiedener Gebäude

    Trennen Sie nichttragende Mauerwerkswände in Skelettbauten durch Fugen ab, damit sich das verformungsempfindliche Mauerwerk und das Tragwerk nicht negativ beeinflussen („Ausfachungen“ von Mauerwerk verhindern). Wählen Sie für die Fugen ein möglichst nachgiebiges Material wie z.B. Gummischrot in ausreichender Breite. Vergessen Sie dabei nicht sämtliche Bauteile gegen Umkippen oder Herausfallen zu sichern (siehe SBIE).

    Auch Fugen zwischen benachbarten Gebäuden sind fachgerecht auszubilden und insbesondere so gross zu wählen, dass die beiden Gebäude nicht aneinanderschlagen können. Bei sehr hohen Anforderungen können Dämpfer und Federn die Schwingungen reduzieren.

  • Sekundäre Bauteile, Installationen und Einrichtungen sichern (SBIE)

    Sichern Sie SBIE fachgemäss gegen Erschütterungen in alle Richtungen, insbesondere gegen Horizontalbewegungen. Beispiele: Herabgehängte Decken und Beleuchtungskörper, Trennwände, Fassadenbekleidungen, Brüstungen, Kamine, Verglasungen, Aufzüge, Kanäle und Leitungen, technische Geräte der Haustechnik, Möbel, Einrichtungsgegenstände.

    Weitere Informationen: Braune et. al. (2016)