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Das können Sie tun, um Ihr Gebäude zu schützen

Klappen sie hier die Empfehlungen auf und passen Sie bei Bedarf die Kriterien im oben stehenden Auswahlmenü auf Ihr Bauvorhaben an.

Wieviel Schutz braucht das Gebäude?

  • Legen Sie für Ihr Bauprojekt Schutzziele fest. Nur wenn Sie wissen, gegen welche Naturgefahren und wie gut Sie das Gebäude schützen wollen, können Sie geeignete Massnahmen treffen.

  • Je früher in der Planung Sie den Schutz vor Naturgefahren berücksichtigen, desto eher lassen sich ästhetisch ansprechende und kostengünstige Lösungen realisieren.

  • Wahl des Gebäudestandorts ausserhalb von Gefahrenzonen

    Weichen Sie der Gefahr durch gravitative Naturgefahren wie Einsturz, Lawinen, Steinschlag, Murgang, Rutschung oder Hochwasser wenn immer möglich aus und bevorzugen Sie einen Gebäudestandort ausserhalb von Gefahrenzonen. Vorsicht: auch bei einer geringen Gefährdung kann – je nach Nutzung und potentiell gefährdeten Sachwerten – das Risiko erheblich sein!

  • Vorsicht: Jedes Gebäude ist starkem Regen, Hagel oder Sturm ausgesetzt und entsprechend zu schützen!

    Gefahrenkarten zeigen, wie stark das Grundstück gefährdet ist.

  • Die Fachstellen im Standortkanton helfen Ihnen gerne weiter. Auch ortskundige Personen wie Förster oder Angehörige der Feuerwehr können oft Auskunft geben über vergangene Ereignisse und Schäden.

  • Beispiel: Oft endet die berechnete Sturmsicherheit beim Tragwerk des Daches. An die normgerechte Befestigung der Dachziegel wird nicht mehr gedacht.

    Starker Regen, Hagel oder Sturm können überall in der Schweiz auftreten und Gebäude gefährden. Schutzmassnahmen sind für jedes Gebäude relevant und durch Normen definiert. Verlangen Sie von Ihren Baupartnern die vollständige Umsetzung dieser Baunormen «bis zur letzten Schraube» und verwenden Sie die Checkliste zur Umsetzungsvereinbarung.

Welche Massnahmen Sie treffen können...

  • Die Kombination von Massnahmen der Konzeption, Verstärkung und Abschirmung ermöglicht eine markante Risikoverminderung. Besonders zu beachten ist die Gefährdung resp. der Schutz von Personen. Zudem darf die Gefährdung durch die geplanten Schutzmassnahmen nicht auf andere Grundstücke verlagert werden.

    Strategien zum Schutz vor Murgängen bei Neubauten

    Schutz durch konzeptionelle Massnahmen und Verstärkung
    Neubauten sollten von Beginn weg an die Gefährdung durch Murgänge angepasst werden. Dies erreichen Sie durch eine optimale Einpassung ins Terrain, eine günstige Form, eine angepasste Nutzung der gefährdeten Innen- und Aussenräume sowie durch die geeignete Platzierung und Gestaltung von Öffnungen. Wo mit hohen Drücken zu rechnen ist, sind zudem die Aussenwände zu verstärken.

    Schutz durch Dämme oder Netze
    Dem Gebäude vorgelagerte Dämme und Schutznetze können den Murgang ablenken oder auffangen. Ein Restrisiko betrifft in der Regel die Gebäudeöffnungen. Schützen Sie diese entsprechend.

    Schutz durch erhöhte Anordnung
    Die erhöhte Anordnung ist oft eine kostengünstige und sehr effiziente Schutzmassnahme. Das Gebäude wird auf einer Anschüttung erstellt, Zugang und Zufahrt werden als Rampen ausgeführt. Im Idealfall schützt dies das Gebäude bereits ausreichend vor dem Murgang, so dass sich weitergehende Massnahmen erübrigen.

    Schutz durch einen Spaltkeil
    Ein dem Gebäude vorgelagerter Spaltkeil ermöglicht einen optimalen Schutz vor hohen Drücken. Gleichzeitig müssen die Öffnungen und die Innenraumnutzungen der Gefährdung entsprechend geplant werden. Bleibt der Aussenraum gefährdet, sind gewisse Aussenraumnutzungen (z.B. Sitzplätze) im Schutz des Gebäudes vorzusehen.

  • Nutzungskonzept des Aussenraumes

    Planen Sie Aussenraumnutzungen mit hoher Aufenthaltsdauer wie Sitzplätze und Balkone ausschliesslich in den durch das Gebäude oder durch zusätzliche Massnahmen geschützten Bereichen. Ordnen Sie den Zugang zum Gebäude geschützt an, beispielsweise via Tiefgarage mit talseitiger Zufahrt.

  • Nutzungskonzept der Innenräume

    Sehen Sie im Bereich der direkt betroffenen Aussenwände ausschliesslich Räume mit kurzer Aufenthaltsdauer vor, beispielsweise Verbindungsgänge oder Nasszellen.

  • Einpassung in das Terrain

    Durch eine optimale Einpassung in das umliegende Gelände können Sie das Gebäude vor direkter Einwirkung durch Steinschlag, Lawinen und Murgang gut schützen, resp. die betroffenen und entsprechend zu verstärkenden Aussenwandflächen reduzieren.

    Sehen Sie bei Gefahr durch Lawinen und fallenden oder hoch springenden Steinen und Blöcken eine vertiefte Anordnung des Gebäudekörpers im umliegenden Gelände vor (vgl. Ebenhöch). Eine vertiefte Lage des Gebäudes eignet sich auch zum Schutz vor grossvolumigen Murgängen, gegebenenfalls kombiniert mit einer Anschüttung. So lässt sich die zu schützende Aussenwandfläche verringern.

    Eine erhöhte Anordnung ist bei Gefahr durch Wasser und kleinere Murgänge von Vorteil sowie bei rollenden oder gleitenden Steinen und Blöcken.

  • Reduzieren Sie die Fläche der exponierten Aussenwände. Ordnen Sie zudem das Tragwerk des Gebäudes so an, dass es vor Steinschlag, Murgang oder Lawine geschützt ist. Tragende Scheiben und Platten eignen sich besser als eine Skelettbauweise. Ziehen Sie frühzeitig einen Bauingenieur bei.

  • Positionierung und Ausgestaltung von Öffnungen

    Öffnungen wie Fenster und Türen sind die grössten Schwachstellen bei Gefahr durch Steinschlag, Murgang oder Lawinen. Vermeiden Sie Fenster in der gefährdeten Aussenwand oder halten Sie sie klein. Verstärken oder verschalen Sie solche Öffnungen immer. Vermeiden Sie Eingänge auf der gefährdeten Aussenwand oder schützen Sie sie, z.B. mit Schutzmauern oder lokalen Dämmen bei gefährdeten Türen.

  • Bei Neubauten hat die Wahl eines möglichst sicheren Standorts erste Priorität. Auch die Positionierung und Terraingestaltung auf dem Grundstück kann die Sicherheit erhöhen.

    Konzeptionelle Massnahmen zum Schutz vor Rutschungen

    Terraingestaltung / Bauzustände
    Achten Sie bei der Terraingestaltung darauf, dass die Stabilität des Geländes nicht wegen Anschüttungen und Einschnitten kritisch wird. Dies gilt sowohl für permanente wie auch für temporäre Erdverschiebungen während des Baus. Ziehen Sie deshalb insbesondere ungünstige Bauzustände (z.B. Baugrubenaushub) von Anfang an in die Abklärungen ein.

    Statisches Konzept und Fundation
    Bei einem guten statischen Konzept ziehen geringe Setzungen unter dem Gebäude keine Schäden wie Risse nach sich. Wählen Sie eine monolithische Bauweise und trennen Sie Anbauten stets statisch einwandfrei vom Hauptgebäude. Zudem soll die Fundationsart unempfindlich auf mögliche Setzungen oder Verschiebungen reagieren. In der Regel bewährt sich eine Flachfundation mit verstärkter Bodenplatte.

    Nutzungskonzept Innenräume
    Passen Sie bei tiefgründigen Rutschungen das Nutzungskonzept der Innenräume an. Beachten Sie, dass Verkippungen möglich sind, wenn das Gebäude auf der Rutschmasse mitschwimmt. Je nach statischem Konzept ist eine Neuausrichtung des Gebäudes oder Teilen davon möglich. Rechnen Sie aber speziell bei Untergeschossen damit, dass diese nicht neu ausgerichtet werden können und in einer Schieflage zu verbleiben drohen. Dies ist für die Innenraumnutzung von Beginn weg zu berücksichtigen.

    Aussenanschluss von Leitungen
    Erdverlegte Leitungen werden bei ungleichmässigen Rutschbewegungen schnell beschädigt. Besonders kritische Bereiche befinden sich am Rand der Rutschung sowie um die Leitungsdurchführungen vom Untergrund ins Gebäude. Beachten Sie die Richtlinien für Rohrleitungsanlagen (SVGW 2010, SVGW 2013).

    Abführung von Meteorwasser
    Sorgen Sie dafür, dass jegliches Meteor- und Oberflächenwasser abgeführt oder in Quellen gefasst wird und nicht in der Rutschmasse versickern kann. Wasser ist der bedeutendste treibende Faktor von Rutschbewegungen. Versuchen Sie den Hangwasserspiegel und die Wassersättigung des Bodenmaterials zu minimieren.

  • Lastabtragung, Ausrichtung und Verstärkungsmassnahmen

    Lastabtragung unter die Gleitfläche / in den anstehenden Fels
    Sorgen Sie mit Scheiben oder Pfählen für eine optimale Abtragung der Gebäudelasten in den stabilen Untergrund. Diese Massnahme können Sie bei geringer Rutsch- wie auch bei oberflächlicher Einsturzgefährdung ergreifen. Damit verhindern Sie zwar nicht die Geländebewegung an sich, sichern das Gebäude jedoch ähnlich einer Brücke auf Pfeilern.

    Ausrichtung des Gebäudes durch Anhebung
    Die folgenden Massnahmen für die Gebäudeanhebung eignen sich bei mittel- bis tiefgründigen Rutschungen, wenn sich die Rutschung aufgrund ihrer Grösse nicht beeinflussen lässt.

    • Nehmen Sie zwischen dem Untergeschoss und den Obergeschossen eine statische Trennung vor und ordnen Sie hydraulische Pressen in Aussparungen an. Bei einer Verkippung des Gebäudes kann der Obergeschossteil neu ausgerichtet werden, das Untergeschoss verbleibt in Schieflage. Diese Korrektur lässt sich bei fortlaufender Verkippung wiederholen.
    • Einzelfundamente als Auflager: Muss das ganze Gebäude nach einer Verkippung neu ausgerichtet werden, sind Aussparungen für hydraulische Pressen im Fundamentbereich vorzusehen. Dies ist meist nur bei Neubauten möglich. Der Zugang zu diesen Auflagern erfolgt über statisch getrennte Schächte an den Gebäudeecken. Bei Bedarf sind zusätzliche Auflager im Bereich der Aussenwände und unter dem Gebäude erforderlich.
    • Anhebung mittels Injektion: Das Fundament kann mit Kunstharz- oder Mörtelinjektionen angehoben werden. Das Injektionsgut wird über Bohrlöcher durch das Fundament in den Untergrund eingebracht.

    Verstärkung von Bodenplatte und Aussenwänden
    Die Verstärkung von Bodenplatte und Aussenwänden ist bei vielen Massnahmen eine Mindestanforderung.

  • Stabilisierung der Rutschmasse

    So können Sie die Stabilität einer Rutschung erhöhen:

    • Verankerung der Rutschmasse im stabilen Untergrund mit Ankern, Nägeln, Dübeln oder Pfählen oder anderen Stützkonstruktionen
    • Entwässerung und Drainage, um den Wasseranteil in der Rutschmasse zu reduzieren
    • Veränderungen der Topographie (Gegengewichtsschüttung, Abflachung)
  • Gebäudeform - Schutz vor Murgängen und Lawinen

    Die Form des Gebäudes bestimmt die effektiv auf die betroffenen Aussenwände wirkenden Kräfte. Sehen Sie keilförmige oder in Bezug auf die Hauptzuflussrichtung des Murgangs abgewinkelte Grundrissformen vor. Vermeiden Sie einspringende Ecken und Auswölbungen wie Erker oder Kamine. Achten Sie zudem darauf, dass sich an der direkt betroffenen Aussenfassade keine Leitungen befinden (Dachwasserleitung, Öltankentlüftung u.a.). Diese würden beim Murganganprall beschädigt oder abgerissen.

  • Verstärkungsmassnahmen zum Schutz vor Übermurung

    Verstärkung von Aussenwänden
    Gefährdete Aussenwände sind nach dem Druck und der Reibung des Murganges zu bemessen respektive entsprechend zu verstärken. Aufgrund der Reibung ist in der Regel auf Fassadenverkleidungen wie Schindeln aus Holz oder Kunststoff zu verzichten.

    Schutz von Öffnungen
    Gefährdete Fenster und Türen sind gemäss dem Druck zu bemessen und von aussen anzuschlagen. Bei Fenstern muss die Last über die Scheibe auf den Rahmen und von diesem auf die angrenzende Konstruktion abgetragen werden. Bei seitlich angeordneten Fenstern und geringen Drücken bieten ausreichend bemessene Verbundsicherheitsgläser Schutz. Trifft der Murgang frontal auf die Fenster, sind diese zusätzlich mit Sprossen, Prallplatten oder Dammbalken zu schützen.

    Tabelle: Übersicht empfohlener Glasprodukte mit ihren Mindestdicken sowie der entsprechenden Bemessung

    Bei der Verwendung von Isolierglas sollte die äussere Scheibe entsprechend dem Einfachglas nach obiger Tabelle gewählt werden mit einer Gegenscheibe von mindestens 8 mm Dicke (Quelle: Schweiz. Institut für Glas am Bau, Zürich).

  • Abschirmungsmassnahmen können die Ausbreitung der Gefährdung massgebend beeinflussen. Solche Massnahmen dürfen nur ergriffen werden, wenn sich dadurch die Gefährdung benachbarter Gebäude und Grundstücke nicht erhöht.

    Abschirmungsmassnahmen gegen Murgänge

    Auffangdamm
    Ein Auffangdamm kann kleine Murgänge vollständig aufhalten, sofern er genügend hoch ist. Sehen Sie zudem einen ausreichend grossen Ablagerungsraum vor, um das Volumen des Geschiebes aufzufangen.

    Erhöhte Anordnung
    Die Anschüttung des Terrains ist bei Neubauten oft die kostengünstigste und wirksamste Massnahme zur Risikoverminderung. So können Sie das gefährdete Objekt ganz vor Übermurung und Überschwemmung schützen (Stauhöhe beachten!). An Stellen mit hohen Fliessgeschwindigkeiten muss die Anschüttung gegen Erosion geschützt werden.

    Ablenkmauer/Ablenkdamm
    Mit Hilfe einer Ablenkmauer oder eines Ablenkdammes kann der Murgang in eine gewünschte Richtung umgelenkt werden. Als Massnahme für den Gebäudeschutz kommen sie vor allem am Rand von Siedlungen oder Gerinnen zum Einsatz.

    Spaltkeile leiten den Murgang am zu schützenden Gebäude vorbei. Der Keil wird direkt am oder unmittelbar vor dem Gebäude angeordnet. Der maximale Öffnungswinkel darf 60° nicht überschreiten (Gefährdungsbild 2). Zudem muss der Spaltkeil ausreichend hoch sein, damit er nicht überflossen werden kann. Dabei sind die Fliesshöhe des Murganges zu berücksichtigen sowie die Anzahl möglicher Murschübe pro Ereignis. Wird der Keil mit Flügelmauern seitlich am Objekt verlängert, sind gegebenenfalls weitere Schutzmassnahmen an den Seitenwänden nicht erforderlich.

    Murgangnetze können im Wildbachverbau oder als direkte Schutzmassnahme vor dem Gebäude eingesetzt werden. Die Bemessung dieser Murgangnetze erfolgt gemäss Volkwein (2014). Wie beim Auffangdamm ist ein ausreichend grosser Ablagerungsraum vorzusehen. Beim Einsatz von Netzen zum Schutz gegen Hangmuren ist die Wasserableitung gesondert zu betrachten und allenfalls mit anderen Massnahmen zum Hochwasserschutz des Gebäudes zu kombinieren.

    Ein Wartungs- und Unterhaltsplan ist für Netzlösungen unabdingbar, damit diese als permanente Schutzmassnahme eingesetzt werden können.