Naturgefahren und der Standard Nachhaltiges Bauen SNBS

Korridor für den koordinierten Abfluss von Regenwasser und Oberflächenabfluss zwischen Gebäuden hindurch

Was heute gebaut wird, soll nachhaltig sein. Dazu gehört auch ein angemessener Schutz vor Naturgefahren, denn viele Naturgefahren wie Sturm, starker Regen oder Erdbeben sind überall in der Schweiz relevant. Die zunehmende Wertekonzentration auch in gefährdeten Gebieten und häufigere Wetterextreme als Folge des Klimawandels verdeutlichen den Handlungsbedarf ebenso wie die hohen Schadenzahlen der letzten Jahrzehnte. Das naturgefahrensichere Bauen gewinnt an Bedeutung und sollte analog zu anderen Aspekten wie Energie, Mobilität oder Gesundheit bei jedem Neu- und Umbau zur Selbstverständlichkeit werden. Hierzu bietet der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) Hochbau in seiner neusten Version gute und bewährte Anhaltspunkte – für qualitativ hochwertige Gebäude. Der SNBS deckt die drei Nachhaltigkeits-Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt mit insgesamt 45 Indikatoren ab.

Was zeichnet nachhaltige Gebäude aus?

Zur Erreichung der Klimaziele muss die Schweiz unter anderem ihren Gebäudepark rasch und nachhaltig modernisieren. Das Ende 2020 veröffentlichte Positionspapier des SIA «Klimaschutz, Klimaanpassung und Energie» bekräftig die Dringlichkeit zu Handeln und zeigt die erfreulich hohe Bereitschaft von Architekten, Planern und Ingenieuren, sich dem Thema anzunehmen. Nebst einem massiv reduzierten Verbrauch an Ressourcen und Energie braucht es auch Anpassungen an die zukünftigen Umweltbedingungen. Beispielsweise einen sorgfältigen Umgang mit Regenwasser und bauliche sowie landschaftsarchitektonische Massnahmen zur Abschwächung sommerlicher Hitze. Die sich ändernden Auswirkungen durch Naturgefahren dürfen nicht zu inakzeptablen Schäden führen und die Risiken müssen für unsere Gesellschaft tragbar bleiben. Viele Handlungsoptionen bieten die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Gebäude selbst, Nutzungsanpassungen sowie technische und organisatorische Massnahmen zur Schadenminderung im Ereignisfall. Bei Neubauten und Sanierungen ist es deshalb entscheidend, dass die Umweltbedingungen von morgen schon heute in die Planung einfliessen. Die Gebäudehülle muss nicht nur höchsten energetischen Ansprüchen genügen, sie darf auch bei Hagel, Sturm oder Überschwemmungen keinen Schaden nehmen. Das Gebäude wird somit umfassend für viele Themen auf den höchstmöglichen Nutzen während seines gesamten Lebenszyklus optimiert.

Wie gelingt der Schutz vor Naturgefahren?

Ob ein Gebäude hinsichtlich Energiebedarf, eine möglichst flexible Nutzung oder für den Schutz vor Naturgefahren optimiert wird – die grundsätzliche Herangehensweise ist dieselbe: Es gilt möglichst früh in der Planung die richtigen Fragen zu beantworten, unter Einbezug aller wichtigen Akteure klare Ziele zu definieren und die Weichen für die weitere Planung und Realisierung zu stellen. Dabei müssen zwangsläufig verschiedene Ansprüche gegeneinander abgewogen und Zielkonflikte gelöst werden, stets mit dem Anspruch einen langfristig höchstmöglichen Nutzen zu ermöglichen. Auch Naturgefahren müssen frühzeitig erkannt, gegebenenfalls genauer abgeklärt und von Beginn an als Randbedingungen in die Planung einfliessen. Dies mit dem Ziel, Gebäude so zu bauen, dass sie genügend robust sind gegenüber allen am Standort möglichen Naturgefahren. Dabei entscheiden insbesondere die planerisch-konzeptionellen Lösungen, mit welchen baulichen, technischen oder organisatorischen Massnahmen dieses Ziel erreicht werden kann. - Weshalb Gebäudeöffnungen aufwändig abdichten, wenn man sie einfach etwas höher platzieren und so vor Hochwasser und Oberflächenabfluss schützen kann? Wenn man einer Naturgefahr nicht aus dem Weg gehen kann, bietet vielleicht die Umgebungsgestaltung oder die Anordnung und Form des Gebäudes gute Möglichkeiten für einen zuverlässigen Schutz. Der Naturgefahren-Check bietet eine rasche Gefahrenübersicht mittels Adresseingabe und trägt alle wichtigen Informationen rund um das naturgefahrengerechte Bauen zusammen.

Anwendung des SNBS-Indikators «Naturgefahren und Erdbebensicherheit»

Der SNBS Indikator 204.2 «Naturgefahren und Erdbebensicherheit» wurde grundlegend überarbeitet und auf die beiden Messgrössen Standortqualität und Gebäudequalität reduziert. Erstere fokussiert auf mögliche Naturgefahren am betreffenden Standort – etwa Hochwasser oder Rutschungen. Zweite bewertet die baulichen, technischen und organisatorischen Massnahmen, die zur Reduktion der Risiken getroffen werden. Um den Planenden die Arbeit zu erleichtern, wurde zum Indikator auch ein Online-Tool entwickelt. Es steht unter www.schutz-vor-naturgefahren.ch/snbs kostenlos zur Verfügung. Das Tool führt Schritt für Schritt durch das Thema und liefert zudem passende Empfehlungen zum Gebäudeschutz. Aspekte, die das Risiko stark beeinflussen, kommen zuerst. Dazu gehören neben der Gebäudefunktion und ‑nutzung auch die Auswirkungen eines Betriebsunterbruchs. Bei Hinweisen auf grössere Risiken werden durch zusätzliche Fragen konzeptionelle und konstruktive Lösungen eruiert.

Inhaltlich orientiert sich der Indikator an den Tragwerksnormen SIA 261 und SIA 261/1. Er berücksichtigt sämtliche Naturgefahren, also auch meteorologische wie Hagel, Sturm und Schneedruck. Für eine angemessene und pragmatische Abstufung der Schutzanforderungen je nach Risiko werden die Bauwerksklassen (BWK) beigezogen. Sie tragen dem Umstand Rechnung, dass beispielsweise Schulgebäude der BWK II höhere Schutzziele erfüllen müssen, als normale Wohn- und Gewerbegebäude der BWK I.

Über den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz

Bei der Überarbeitung des Standards Hochbau wurden viele Unklarheiten beseitigt. Messgrössen wurden präzisiert und die Instrumente zur Beurteilung und Bewertung verbessert. Neu können auch Bildungsbauten vom Kindergarten bis zur Hochschule zertifiziert werden. Die Zertifizierung läuft seit Januar 2021 über die Zertifizierungsstellen von Minergie. In diesem Zusammenhang hat eine Harmonisierung innerhalb der verschiedenen Gebäudelabel GEAK, Minergie, 2000-Watt-Areale und SNBS stattgefunden, was den Aufwand für Mehrfachzertifizierungen reduziert. Wer in Eigenregie nachhaltig bauen will ohne zu zertifizieren, kann den Standard samt Hilfsmitteln gratis nutzen. Der Indikator 204.2 «Naturgefahren und Erdbebensicherheit» sorgt dafür, dass Informationen bezüglich Gefährdung, Schadenpotential und Schutzmassnahmen systematisch abgefragt und beurteilt werden.

Naturgefahren-Check

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